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Ohne Ehrenamt kein soziales Miteinander

12.12.2013 | von Harald Dubyk

Anne Beck Uli Böttcher Elisabeth Held
Bilderstrecke: Ehrenamtliche in der Vesperkirche (4 Bilder).

Ehrenamtliche bilden das Rückgrat der Ravensburger Vesperkirche, die vom 28. Januar bis 16. Februar 2014 in der evangelischen Stadtkirche ihre Pforten wieder öffnet. Über 250 Helfer sind notwendig, um für die Gäste - 2013 kamen über 10 000 Menschen in die Vesperkirche - da zu sein. Ihre Motivation zu helfen ist unterschiedlich.

Uli Boettcher bringt es für sich auf den Punkt: „Die Vesperkirche ist eine dermaßen gute Sache, dass ich nicht auf die Idee kommen würde, dies nicht zu unterstützen." Der Kabarettist tritt neben vielen anderen Künstlern in der Ravensburger Vesperkirche 2014 auf. Alle verzichten sie auf ihre Gage, leben sozusagen ihr Ehrenamt auf der Bühne. Ohne Ehrenamt wäre für Boettcher ein soziales Miteinander unmöglich. „Jedes Mitglied unserer Gesellschaft sollte wenigstens ein Bewusstsein für die haben, die Hilfe benötigen und im besten Fall aus diesem Bewusstsein heraus tätig werden", sagt er.
Aber es sind vor allem die vielen Helfer, die bei der Essensausgabe, beim Abservieren des Geschirrs oder als Gesprächspartner für die Gäste da sind. „Ohne sie wäre die Vesperkirche gar nicht möglich", betont Harald Dubyk von den Zieglerschen, der dieses Jahr das erste Mal, gemeinsam mit Pfarrer Friedemann Manz und Diakon Gerd Gunßer vom Diakonischen Werk Ravensburg, die Vesperkirche organisiert. Auffallend sei die hohe Identifikation der Ehrenamtlichen mit der Vesperkirche. „Man merkt schnell, dass die Menschen, die hier helfen, sich auf ihre Mitarbeit freuen. So stiftet die Vesperkirche nicht nur ihren Gästen sondern auch ihren Helfern Sinn", sagt Dubyk.
Viele der ehrenamtlichen Helfer sind Menschen nach ihrer Berufs- und Familienphase. Aber es sind nicht nur die älteren, die helfen. Zum Beispiel Anne Beck. Die 32-Jährige arbeitet bei den Zieglerschen als Referentin beim Vorstand, für 2014 hat sie sich nun als Ehrenamtliche für die Vesperkirche gemeldet. Warum hilft sie? „Ich gehöre zu den Menschen in Deutschland, denen es gut geht. Ich bin durch kein soziales Netz gefallen und ich habe alles was ich zum glücklich sein brauche.", sagt sie. Daher wolle sie anderen gutes Tun und mithelfen, „dass auch andere unsere Selbstverständlichkeiten wie ein warmes Essen, einen Tierarztbesuch oder einen Zuhörer - zumindest für eine Zeit - genießen können". Früher hat sich Anne Beck viele Jahre in der Kinderkirche und in der Jungschar engagiert. Inzwischen betrachtet sie sich als die klassische „Event-Ehrenamtliche", wie sie sagt. „Ich engagiere mich bei verschiedenen jährlich wiederkehrenden sozialen Events."
Elisabeth Held gehört zu den älteren Helfern. Und sie ist von Anfang an dabei. Nachdem sie letztes Jahr eine Pause machte, unterstützt sie die Vesperkirche 2014 wieder. Damals, als sie sich für den Start der Vesperkirche in Ravensburg eingesetzt hatte, wollte sie, dass sich die Kirche für die bedürftigen Menschen öffnet. Die ehemalige Lehrerin zieht aus ihrem Engagement persönlich mittlerweile viel heraus: „Mit dem Ehrenamt habe ich jetzt nach meiner Pensionierung die Möglichkeit, etwas neues zu lernen, Menschen zu erfahren und mich ins Team einzubringen."
Werner Heffungs war bis 2012 leitender Arzt am Körperbehindertenzentrum Oberschwaben. Schon vor seinem Ruhestand hatte sich der Kinder- und Jugendarzt aus Meckenbeuren für die Vesperkirche ehrenamtlich engagiert. „Ich hatte und habe das Bedürfnis, einen Teil dessen was ich während meiner beruflichen Praxis als Kinder-und Jugendarzt in erster Linie von den Kindern, aber nicht selten auch von Eltern und Großeltern an positiven Reaktionen, Empfindungen, Empathie erhalten habe, zurückgeben zu wollen" sagt er. Immer wieder kommen die Menschen in ihrer Not zu ihm. Als Arzt ist er für die Gäste der Vesperkirche da, egal, ob es sich um das Wehwehchen oder die Angst vor einer Behandlung ohne Krankenversicherung handelt. Meistens jedoch stünden das Zuhören, Dasein und Zeit haben im Vordergrund, weiß Werner Heffungs.
Wer die Vesperkirche 2014 ehrenamtlich unterstützen möchte, kann sich noch bis 13. Dezember bei der Diakonischen Bezirksstelle in Ravensburg, Tel. 0751/295904-10, oder per Mail, vesperkirche@diakonie-rv.de, melden. Wer spenden möchte, kann dies unter folgender Bankverbindung tun: Spendenkonto 77 95 600, Stichwort „Vesperkirche", Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 601 205 00.