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Wolf und Rau für Angebotsvielfalt in der Behindertenhilfe – Inklusion war das Thema beim Neujahrsempfang der Zieglerschen

19.01.2015 | von Sarah Benkißer
Neujahrsempfang der Zieglerschen
Freuten sich über einen gelungenen Abend: Prof. Dr. Harald Rau, Vorstand der Zieglerschen, Guido Wolf, Landtagspräsident und Rolf Baumann, Vorstand der Zieglerschen. Foto Derek Schuh

Beim Neujahrsempfang der Zieglerschen in Wilhelmsdorf forderten Landtagspräsident Guido Wolf und Prof. Dr. Harald Rau, Vorstandsvorsitzender der Zieglerschen, vor rund 100 geladenen Gästen Vielfalt bei den Angeboten für Menschen mit Behinderung. Schüler, Sportler und Bewohner mit Behinderung berichteten in der anschließenden Talkrunde über ihre Highlights 2014.

Beim ihrem Neujahrsempfang im Wilhelmsdorfer Bürgersaal feierten die Zieglerschen unter der Überschrift „Vielfalt bereichert" gemeinsam mit ihren Partnern: der „Inklusions-Gemeinde" Wilhelmsdorf, vertreten u.a. durch Bürgermeister Dr. Hans Gerstlauer, der Evangelischen Brüdergemeinde Wilhelmsdorf, dem Sportverein TSG Wilhelmsdorf, der Firma Hügler, mit der zusammen eine innovative und inklusive Werkstatt in Aulendorf entsteht, und vielen mehr. Im Mittelpunkt des Empfangs stand die Behindertenhilfe der Zieglerschen.

Landtagspräsident Guido Wolf gab mit einem Impulsreferat Denkanstöße zu den drängenden sozialpolitischen Fragen nach Inklusion, dem demografischen Wandel, der Digitalisierung in der Pflege sowie der bedeutenden Rolle diakonischer und caritativer Träger im Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Humanität. Der Vorstandsvorsitzende der Zieglerschen, Prof. Dr. Harald Rau, hatte in seinem Grußwort zunächst Politik, Träger, Firmen und Kirche zum Schulterschluss aufgerufen: „Lassen Sie uns die Dinge weiterentwickeln im Sinne der Menschen, sonst wird es Inklusionsverlierer geben", sagte Rau und warnte davor, die Angebotsstrukturen von Komplexträgern einfach zu zerschlagen. Wilhelmsdorf sei als Gemeinde die Inklusionsgemeinde und damit ein positives Beispiel für einen gelingenden „Dreiklang" aus Gemeinde, sozialer Einrichtung und Kirchengemeinde vor Ort.

Landtagspräsident Guido Wolf griff diese Position in seiner Rede auf. Seine Kernbotschaft sei, dass jeder und jede in unserer Gesellschaft gebraucht werde, auf jeden komme es an. „Inklusion ist nichts Eindimensionales", bekräftigte Wolf, es gehe um Wahlfreiheit und Durchlässigkeit in alle Richtungen. „Wir brauchen ein Büffet mit Leistungsangeboten für behinderte Menschen", so der CDU-Spitzenkandidat, der sich im Vorfeld der Veranstaltung in einem Interview den Fragen von Schülern mit Behinderung gestellt hatte.

Diese Schüler, die in der Heimsonderschule Haslachmühle der Zieglerschen die vielfach ausgezeichnete „Mühlezeitung" gestalten, hatten im vergangenen Jahr durch ein ganz besonderes Projekt Aufmerksamkeit erregt: Sie hatten zur Fußball-WM in Brasilien Namensgebärden für alle deutschen Nationalspieler entwickelt und damit eine Sprachbarriere für Fußballfans mit Hör-Sprach- und gleichzeitiger geistiger Behinderung abgebaut. Fußballstar Mesut Özil gefiel das Projekt so gut, dass er den Machern auf Facebook zu ihrem gelungenen Projekt gratulierte. Selbstverständlich, dass dieses Projekt auch beim Neujahrsempfang der Zieglerschen als eines der Highlights 2014 präsentiert wurde. Darüber hinaus berichteten die Sportler der Sportkooperation der Zieglerschen Behindertenhilfe und der TSG Wilhelmsdorf über ihre großen Erfolge im vergangenen Jahr. Unter anderem wurden die integrativen Fußballmannschaften der Sportkooperation 2014 baden-württembergische Unified-Landesmeister und –Vizemeister.
Siegfried Hügler, Geschäftsführer des Kabelkonfektionierers Hügler aus Aulendorf, Olaf Sigmund, Bereichsleiter Rotach-Werkstätten und mehrere WfbM-Mitarbeiter, die ab 2015 am neu eröffnenden Standort in Aulendorf arbeiten werden, stellten ihr inklusives und innovatives Werkstatt-Projekt vor: Mitarbeiter mit und ohne Behinderung werden in der Firmenkooperation in Aulendorf auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Michael Heck vom Kommunalverband für Jugend und Soziales, welcher das Projekt mit 50% der Kosten fördert, bescheinigte der Kooperation hohe Erfolgschancen: „Normalerweise dauert es 1 bis 1,5 Jahre, bis ein Projekt einen Bewilligungsbescheid erhält. Hier hat es von der ersten Email bis zum Bescheid gerade mal 4 Monate gedauert – das ist Rekord!"

Wilhelmsdorfs Bürgermeister Dr. Hans Gerstlauer, Angehörigenvertreterin Ina Ströbele, Bewohner-Vertreterin Gisela Eberl und Geschäftsführer Uwe Fischer von der Behindertenhilfe diskutierten zum Schluss noch einmal aus ihrer jeweiligen Perspektive das Thema „Inklusion". Bürgermeister Dr. Gerstlauer bekräftigte seinerseits das positive, inklusive Zusammenspiel der Akteure in Wilhelmsdorf und mahnte: „Inklusion eignet sich nicht für Ideologisierung." Gisela Eberl, langjährige Vorsitzende des Heimbeirats der Haslachmühle der Zieglerschen, brachte das Thema aus Sicht der Betroffenen auf den Punkt: „Inklusion ist ein großes Fremdwort. Viele wollen's machen, aber sie machen's nicht richtig", sagte sie und schickte damit noch einmal eine unmissverständliche Botschaft in Richtung Politik.

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