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Königlicher Besuch in Oberschwaben

11.11.2013 | von Heiko Bräuning
Prinz von Preussen

Der Kaiserururenkel und Pfarrer Prinz Philip Kiril von Preussen zu Gast

Pünktlich um 15 Uhr fuhr der königliche Besuch in königlicher Kutsche auf dem Höchsten ein. Die königliche Kutsche: ein Mietwagen der untersten Preiska-tegorie, aus der ein frohgelaunter Prinz Philip Kiril von Preussen entstieg. Bescheidenheit - das ist der Lebensstil des Kaiserururenkels. Erstes Problem für Pfr. Heiko Bräuning: wie be-grüßt man nun standesgemäß einen solchen Hochadeligen? Aufklärungsarbeit unter Pfarrer: „Würden Sie sich korrekt verhalten, sprechen Sie mich mit „Königliche Hoheit, Prinz Philip von Preussen an". Aber unter Pfarrerkollegen sagen Sie einfach zu mir „Bruder von Preussen". Das ist dem Pfarrer der Zieglerschen ohne blaues Blut dann zu kompliziert: er bietet seinem Kollegen - Prinz Philip ist Pfarrer der Evangelischen Landeskirche - das Du an. Für Prinz Philip von Preussen kein Problem: „Vor Gott sind wir alle gleich. Da zählen keine Titel, keine Namen: ich heiß Philip."

 

Auch wenn die Kapelle der Zieglerschen auf dem Höchsten keine Loge für königliche Gäste hat, und noch nicht einmal über einen roten Teppich verfügt, den man in so einem Fall ausrollen hätte können, ist für Prinz Philip doch einiges wahrhaft königlich: der gigantische Ausblick an just diesem Tag - Dank Föhnwetter - auf den Bodensee, die Schweizer und die Österreichischen Alpen. „Das ist ja schöner als jeder herrliche Blick von Hohenzollernburgen- und schlösser", meint der Prinz. Und gespeist hat er nach getaner Arbeit vor laufender Kamera auf dem Höchsten zum Schluß dann doch auch wahrhaft königlich - fast schon so wie Gott in Frankreich! Also, ein bisschen königlich gings zu, auf dem Höchsten. Der Kaiserururenkel war auf Einladung von Pfarrer Heiko Bräuning aus Berlin nach Oberschwaben zu den Zieglerschen gekommen, um dort als Gast im Fernsehgottesdienst „Stunde des Höchsten" nicht nur in einem Interview Rede und Antwort zu stehen, sondern auch zu predigen. Dem Pfarrer und Vater von 6 Kindern bricht dabei kein Zacken aus der Krone: schließlich hat er bei Stunde des Höchsten eine der größten Kanzeln in Deutschland: Woche für Woche feiern über 300 000 Zuschauende in Deutschland, Österreich und der Schweiz, hörende und gehörlose Menschen diesen Gottesdienst mit. Wenn der Prinz zu Hause, in der heimatlichen Kir-chengemeinde, 8 Kilometer außerhalb von Berlin predigt, sitzen zwischen 30 und 50 Personen unter seiner Kanzel. Und im Fernsehinterview erzählt er dann, dass er schon sehr gerne ab und zu auch im Berliner Dom predigt, der von seinen Vorfahren erbaut wurde, und in dem auch fast alle Verwandtschaft von ihm in der Gruft selig ruhen. Auf Nachfrage von Pfarrer Bräuning bestätigt der Prinz: „Wenn ich einen Besuch bei meiner verstorbenen Verwandtschaft machen möchte, dann muss ich wie jeder andere Eintritt in die Gruft bezahlen! Selbst als ich mit einer Gruppe von Freunden auf der Burg Hohenzollern zu Besuch war, die bis vor wenigen Jahren noch das zu Hause meines Opas Louis Ferdinand war, musste ich für alle und für mich Eintritt bezahlen! Seit dem geh ich da auch nicht mehr hin!" sagt er mit einem verschmitzten Lächeln. Wie man sich ein königliches Pfarrhaus vorstellen müsste, will Bräuning von ihm wissen: „Wir leben als Familie in einem kleinen bescheidenen Reihenhaus in Oranienburg, und fühlen uns dort sehr wohl!" Dass er sich mit seinem Prinzentitel und der adeligen Herkunft nicht immer so ganz wohl fühlte, wird deutlich, wenn der Prinz von seiner Schulzeit erzählt: „Wenn die Mitschüler mitbekommen haben, dass ich ein Prinz bin, waren die Erwartungen an mich sehr hoch: sehr viel Geld, sehr viel Schlösser und allen Prunk und Protz aussen rum. Als sie dann aber mitbekamen, dass ich diesen Erwartungen gar nicht entspreche, fingen sie mich an zu hänseln. Sogar Lehrer spotteten hinter meinem Rücken über mich." Dass der Prinz heute nicht Thronanwärter ist, nicht Chef des Hauses Hohenzollern, „verdankt" er seinem Opa. Der hat Philips Vater kurzerhand enterbt und aus der Thronfolge verstossen, nachdem der sich entschied, eine Bürgerliche zu heiraten. Ob ihm das nicht manchmal leid tue, ob er nicht ab und zu unzufrieden wird: ein Prinz, der auf soviel Geld und Macht verzichten muss, will Bräuning wissen: „Nein!" antwortet Bruder von Preussen, „Gott hat mir viel anderes geschenkt: eine wunderbare Frau, tolle Kinder, einen schönen Beruf. Und außerdem habe ich ja nach wie vor meinen Titel als Prinz. Und der öffnet mir schon des öfteren Tür und Tor zu erlauchten Kreisen in Politik, Wirtschaft und Kirche. Das ist dann auch mit viel Verantwortung verbunden!" Nach dem Interview „besteigt" der Prinz dann die Fernsehkanzel. Geübt! Als würde er es Tag für Tag tun, geht er mit den Kame-ras um, mit der Maske, mit dem Technik-Team und mit Teleprompter, den er fast nicht benö-tigt: der Prinz predigt frei. Über ein Bibelwort, das ihn beeindruckt: „Kommt her zu mir, alle die ihr mühselig und beladen seid!" „Ohne dass wir uns abgesprochen hätten," so Pfarrer Heiko Bräuning „die Predigt passt haargenau in unser Format, einen diakonisch-seelsorgerlichen Fernsehgottesdienst zu feiern!" In der Zwischenzeit hat sich der Abendhim-mel über dem Höchsten in tiefrote Farben der untergehenden Sonne gelegt. Wenn schon kein roter Teppich, dann wenigstens der ganze Himmel rot - eine königliche Atmosphäre, als die beiden Pfarrer sich von einander verabschieden!