Titelbild


Inklusion ohne Verlierer

31.03.2014 | von Die Initiative
Pressegespräch Inklusion
Ihnen geht es um die Belange von Menschen mit schweren und mehrfachen Behinderungen: (v.l.) Sven Lange, Geschäftsführer Die Zieglerschen Behin-dertenhilfe, Prof. Dr. Harald Rau, Vorstandsvorsitzender Die Zieglerschen, Karin Bockstahler, Mutter eines Sohnes mit Mehrfachbehinderung, Jörg Munk, Geschäftsführer St. Gallus-Hilfe der Stiftung Liebenau.

Die Landespolitik muss beim Thema Inklusion den
Bedürfnissen der Menschen mit schwerer geistiger
und mehrfacher Behinderung und deren notwendigen
Lebenswelten schnellstens mehr Beachtung schenken!

 

Wenn das Land Baden-Württemberg kein klares und solide finanziertes Förderprogramm für den Umbau der rund zwanzig im Land befindlichen Komplexeinrichtungen auflegt, drohen mindestens 10.000 Menschen mit schweren geistigen und mehrfachen Behinderungen zu den Verlierern der Inklusion zu werden. Ohne die für den Aufbau spezieller gemeindeintegrierter Angebote und für die Sanierung bzw. Modernisierung der bisherigen Komplexstandorte notwendigen Investivfördermittel wird das von der grün-roten Landesregierung ausgegebene Ziel, eine inklusive Gesellschaft für alle zu schaffen, auch auf Dauer nicht erreicht werden. Darauf weist „Die Initiative - Verband der Komplexeinrichtungen der Behindertenhilfe Baden-Württemberg" aktuell hin. Zwei große Träger aus dem Raum Bodensee-Oberschwaben sind Gründungsmitglieder des Verbands: Die Zieglerschen und die Stiftung Liebenau. Bei einem Pressesgepräch informierten sie über die Ziele und Förderungen des Verbands.

„Wer die Belange der in Baden-Württemberg Menschen mit schweren geistigen und mehrfachen Behinderungen ernst nimmt, muss in einer inklusiven Gesellschaft dafür sorgen, dass diesen Menschen stets das Recht verbleibt, zu wählen, wo sie wohnen und wo sie am ehesten ihre Chance auf ein Entwicklungschancen bietendes Leben sehen", betont Prof. Dr. Harald Rau, Vorstandsvorsitzender der Zieglerschen und Vorstandsmitglied des Verbands. Von Seiten der Politik nur den Umbau der bisher klassischen Zentralstandorte der Groß- und Komplexeinrichtungen sowie eine weitgehende Integration ihrer Angebote in den Gemeinden zu fordern, helfe diesem besonderen Personenkreis wenig.

Damit die Menschen mit schweren und mehrfachen Behinderungen auch morgen moderne und vielfältige Wohn-, Arbeits-, Bildungs- und Therapieangebote haben, um ihre besonders individuellen Bedarfe abdecken zu können, muss die Politik ausreichend Mittel für den Aufbau und den Betrieb der personalintensiven Wohn- und Betreuungseinheiten in den Kommunen zur Verfügung stellen, welche künftig an den Zentralstandorten abgebaut werden sollen. Jörg Munk, Geschäftsführer der St. Gallus-Hilfe der Stiftung Liebenau und Vorstandssprecher des Verbands, weist aber darauf hin, dass sich eine Vielzahl von Menschen mit komplexen Behinderungen in Baden-Württemberg mitsamt ihrer Angehörigen auch in Zukunft die Leistungen von modernen Komplexeinrichtungen an zentralen Standorten wünschen, die ihnen weiterhin mit aufeinander abgestimmten Hilfearrangements ihre benötigten Lebens- und Teilhabeperspektiven eröffnen und ihnen eine Chance zur Rehabilitation geben. Um auch diese Leistungen in Zukunft weiter anbieten zu können, müsse das Land endlich auch den finanziellen Weg für Sanierungen bzw. Modernisierungen der historisch gewachsenen Standorte frei machen, so die Forderung des Verbands. Ohne diese finanziellen Hilfen werden die Komplexeinrichtungen den Auflagen des bereits vor Jahren vom Land modernisierten Heimordnungsrechts nicht mehr gerecht werden können. Absehbar werden dann einige der ob ihrer Fachlichkeit in der Behindertenhilfe geschätzten Einrichtungen ihre Heime schließen müssen.

Der Verband fordert von der Landesregierung seine derzeit für freie Trägern der Behindertenhilfe allgemein bereitgestellten Fördersummen zur Investivförderung in Höhe von jährlich rd. 23 Mio. Euro auf rd. 44 Mio. Euro pro Jahr zu erhöhen. Zur Gewährleistung eines nachhaltigen und für die betroffenen Menschen hilfreichen Umbaus der Komplexstandorte bedarf es dieser Fördermittel für eine Übergangslaufzeit von mindestens 10 Jahren. Ihrer Ankündigung im Koalitionsvertrag, den Umbau der Komplexeinrichtungen durch entsprechende Mittel unterstützen zu wollen, sind bis heute keine Taten gefolgt.

Die vom Verband geforderten Mittelerhöhungen entsprechen dem Fördermittelbedarf, den die baden-württembergischen Träger der Behindertenhilfe zusammen mit dem Kommunalverband für Jugend und Soziales, den Verbänden und der Landessozialpolitik in einem gemeinsamen Diskussionsprozess im Jahr 2013 ermittelt haben.

„Die Initiative - Verband der Komplexeinrichtungen der Behindertenhilfe Baden-Württemberg e.V." ist zum Jahreswechsel 2013/2014 von zwölf traditionsreichen Groß- und Komplexeinrichtungen der Behindertenhilfe in Baden-Württemberg gegründet worden. Der Verband nimmt die Interessen von schwer- und mehrfachbehinderten Menschen sowie der Träger von Komplexeinrichtungen gegenüber der Gesellschaft, der Politik und den ande-ren Verbänden wahr. Zum Kreis der Mitglieder des Verbands zählen:

• Die Zieglerschen
• Stiftung Liebenau
• Diakonie Kork
• Diakonie Stetten
• Evangelische Stiftung Lichtenstern
• Johannes-Diakonie Mosbach
• Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Lautenbach
• LWV Eingliederungshilfe
• Mariaberg
• Sonnenhof
• St. Josefshaus Herten
• Stiftung Haus Lindenhof