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Große Bühne für den Unified-Sport - Heiner Stockmayer, Unified-Trainer der Zieglerschen und der TSG Wilhelmsdorf erhält Sonderpreis als „Trainer des Jahres“ bei Verleihung des Landessportverbands

27.01.2015 | von apm
Heiner Stockmayer Preisübergabe
Unified-Trainer Heiner Stockmayer von der Sportkooperation der Zieglerschen Behindertenhilfe und der TSG Wilhelmsdorf freute sich über den Sonderpreis der Barmer GEK bei der Verleihung der „Trainer des Jahres“-Auszeichnungen in Stuttgart.

Für Heiner Stockmayer war es eine echte Überraschung. Fritz Wurster, Präsident von Special Olympics Baden-Württemberg (der Sportorganisation für Menschen mit geistiger Behinderung) hatte den Trainer der Unified-Fußballmannschaft der Behindertenhilfe der Zieglerschen und der TSG Wilhelmsdorf für die Auszeichnung „Trainer des Jahres" vorgeschlagen. Die Jury des Landessportverbandes Baden-Württemberg (LSV), der diese Auszeichnung jährlich vergibt, hat den 54-jährigen Diplom-Sozialpädagogen (BA) für Prävention und Rehabilitation aus Illmensee mit dem „Sonderpreis der BARMER GEK" ausgezeichnet. Der mit 3000 Euro dotierte Preis wurde kürzlich im Porsche-Museum in Stuttgart übergeben.

„Mit dem Sonderpreis der BARMER GEK würdigen wir einen Trainer, der im Wortsinne etwas Besonderes leistet", machte Harald Müller, Landesgeschäftsführer der BARMER GEK Baden-Württemberg deutlich. Denn im Behindertensport gehe es um mehr als um Wettkämpfe und Titel. Durch sein Engagement verhelfe Heiner Stockmayer Menschen mit Handicap zu mehr Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Durch seine Arbeit könnten sie zeigen, was Menschen mit Behinderung zu leisten imstande sind – wenn man ihnen nur die Möglichkeit gibt. „Und nicht zuletzt ist das von ihm betreute Unified-Team, in dem Menschen mit und ohne Einschränkung gemeinsam Sport machen, gelebte Inklusion", stellte Müller anerkennend fest.

Heiner Stockmayer steht nun in einer Reihe mit Marcus Sorg, dem Trainer der deutschen U19-Fußball-Nationalmannschaft, der Erfolgstrainerin im Kunstradfahren Renate Beck und Werner Daniels, Trainer von Speerwurf-Weltmeisterin Christina Obergföll, der von Kultusminister Andreas Stoch MdL mit dem „Ehrenpreis Lebenswerk" geehrt wurde. Doch Stockmayer bleibt bescheiden und sagt: „Eigentlich hätte ein ganzes Team diesen Preis bekommen müssen. Ich bin nur ein Teil davon." Aber offensichtlich ein Teil, der es in sich hat.

Seine Arbeitsfelder sind so vielfältig, wie die Erfahrungen, die Heiner Stockmayer in den vergangenen Jahren gesammelt hat. Und da stechen die 20 Jahre Sportkooperation mit der TSG Wilhelmsdorf hervor. Dort betreut er die Unified-Mannschaft, ein Team, das aus Menschen mit und ohne Behinderung besteht. Seit 1990 gibt es bei der Turn- und Sportgemeinschaft eine Abteilung speziell für Behinderte. „Sicher ungewöhnlich, für uns aber mittlerweile ganz normal", sagt Willi Metzger. Er ist „schon ewig" Vorsitzender des Sportvereins. Es habe immer geklappt, behinderte Menschen in den Verein zu integrieren. Ein großer Verdienst komme da Michael Stäbler zu, der Vorbildliches geleistet habe und von Anfang auch Abteilungsleiter beim „Sport für Menschen mit Behinderung" war. Mit 200 Mitgliedern ist diese Abteilung nicht die kleinste in der TSG. Ziel ist die Integration von Menschen mit Behinderung durch den Sport. Seit 1991 ist man auch beim Unified Sports® Programm von Special Olympics aktiv. Beim Unified Sport trainieren Sportler/Innen mit geistiger Behinderung (Athleten) gemeinsam mit Sportler/Innen ohne Behinderung (Partner) in einer Mannschaft und nehmen an Turnieren und Wettbewerben teil. Weitere Sportangebote der Abteilung sind: Volleyball, Fußball, Trampolinturnen und Ski- und Snowboardfahren.

Für Stockmayer und Metzger ist klar, dass die Sportkooperation „ein Leuchtturm" in der Inklusionsdebatte" ist. „Und deshalb müssten eigentlich der Sportverein und die Zieglerschen den Preis bekommen und nicht ich", sagt Stockmayer. Und wer ihn dabei beobachtet, der merkt sofort: Der Mann meint das wirklich so. Er fühlt sich nicht als etwas Besonderes, sondern als ein Mensch, der hilft, ein großes Ziel gemeinsam mit anderen zu erreichen.

Als Teamleiter betreut er derzeit sechs Fußballmannschaften mit ganz unterschiedlichem Leistungsniveau, ist ehrenamtlich zuständig für die Landes- und die Regionalkoordination beim Fußball der Special Olympics. Auf seine Initiative hin kooperiert Special Olympics mit den Behindertensportverbänden und die Turniere wurden ganz offiziell für Kicker mit körperlicher und psychischer Behinderung geöffnet. Bei „Jugend trainiert für Paralympics" des Kultusministeriums ist er offizieller Ansprechpartner für die Sparte Fußball. Man könnte die Liste weiterführen, doch das Fazit ist klar: Heiner Stockmayer steht landesweit für die Integration behinderter Menschen in den Sport und das auf ganz vielen Ebenen. Auch Kooperationen mit Schulen gehören dazu. „Er hat diesen Preis wirklich verdient", sagt TSG-Chef Willi Metzger und man merkt, dass er stolz ist, Stockmayer in seinem Verein zu haben.