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Sommercamp auf den Grünen Auen der Leopoldschule in Altshausen

26.08.2015 | von Rainer Kössl
Ferienfreizeit 2015
Besuch bei Thomas Rittmeyer (Bereichsleitung Jugendhilfe) im Seilgarten "Tobel-Ropes"

In 10 Jahren Ferien nach Herzenslust für 500 Buben und Mädchen

„Wir brauchen noch einen Finger!" Dieser etwas seltsam anmutende Hilferuf hat seinen Hintergrund in einer erlebnispädagogischen Übung, welche das Gemeinschaftsgefühl der kleinen Altshausener Urlauber entwickeln soll. Ein Eimer muss von verschiedenen Wasser-führenden Rohren gespeist und dann zum Überlaufen gebracht werden. Problem ist nur: der Eimer ist durchlöchert!

Trägerin dieser viermal je einwöchigen Ferienmaßnahme für Kinder zwischen acht und 14 Jahren sind die Zieglerschen aus Wilhelmsdorf. Ist in einer Familie in irgendeiner Form Not am Mann, besser gesagt Not am Kind, werden die Betroffenen vom Jugendamt für diese Feriencamp vorgeschlagen. Auch dieses Jahr konnten wieder nicht alle Fälle berücksichtigt werden. Viele dieser Kinder haben noch nie richtig Ferien erleben dürfen. Die Probleme, unter denen sie zu leiden haben, können materieller Art sein, gehen aber oft weit darüber hinaus.

Die 11-jährige, sehr scheue Paula aus Wolfegg ist nun schon das dritte Jahr in Altshausen dabei. Was ihr denn dieses Jahr am besten gefallen habe? Antwort: „Der Salat". Der Salat? „Ja, einen Salat aus Nudeln hat´s bei uns daheim noch nie gegeben." Zwei Freundinnen habe sie auch schon gefunden, die Mia und die Clara. Vor Paula liegt eine Postkarte, die die Kinder bemalen und dann an ihre Familie senden sollen. Sie malt drei rote herzförmige Ballone. Der eine sei ihr Vater, der andere ihre Mutter und der dritte sei sie selber. „Du hast keine Geschwister ?" „Doch, zwei". Die Gruppenleiterin von Paula ergänzt : Oft hole sie am Abend das Heimweh ein und sie freue sich dann wieder auf daheim.

Das Altshausener Sommercamp wird allein mit Spenden finanziert. Hauptspender in diesem und in den vergangenen Jahren sind die Stiftung Kinderland und die TData Erwerbergesellschaft mbH. Die sechs Betreuer um Projektleitern Anna Hettich erhalten nur eine kleine Aufwandsentschädigung. Vanessa, eine von ihnen, war letztes Jahr schon dabei und hat dieses Jahr zwei ihrer Klassenkameradinnen vom Albert-Einstein-Gymnasium in Ravensburg mit ins Betreuerteam gebracht. Sie selber ist durch ihre Schwester engagiert worden, die wiederum drei Jahre lang als Betreuerin aktiv war. Vanessa: „Wenn ich die Aufwandsentschädigung nicht bekommen würde, ich würde es trotzdem machen. Das sind ganz liebe Kinder hier."
Stefanie, eine ihrer Kolleginnen und künftige Grundschullehrerin war letztes Jahr vier Wochen dabei und bedauert es, dieses Jahr nur zwei Wochen aktiv sein zu können. Eine Erfahrung mit den Kindern hat sich ihr besonders eingeprägt: „Vor allem die Kinder aus großen Familien saugen die Zuwendung und die Aufmerksamkeit, die ihnen hier entgegengebracht wird, regelrecht ein."
Kino, Kegeln, Klettern, das sind für den 12-Jährigen Elisa aus Pfullendorf die Highlights dieses Lagers. Diese Höhepunkte will Anna Hettich den ihr anvertrauten Kindern gerne gönnen. „Aber mir geht das Herz auch auf, wenn ich die Kinder mit einer Betreuerin singen höre. Wenn die Buben mit unserem einzigen männlichen Betreuer kicken. Wenn sich die Kinder in die Grünen Auen der Leopoldschule so richtig verloren haben."

Pizza, Fußballspielen, Eis-Essen, Ausflüge - Ihre schönsten Erfahrungen bei der Ferienfreizeit Altshausen haben die Kinder und Jugendlichen in einem bunten Jubiläums-Plakat kreativ festgehalten. / Bild: Die Zieglerschen