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Fast schon ein Casting für Fernsehgottesdienste!

04.06.2014 | von Heiko Bräuning
SdH Zuschauertag

Zum 8. Zuschauertag von Stunde des Höchsten haben sich vergangenen Freitag in der Kapelle auf dem Höchsten über 70 Gäste aus ganz Deutschland eingefunden. Stunde des Höchsten, der wöchentliche Fernsehgottesdienst der Zieglerschen lädt regelmäßig Zuschauer ein, einen Tag lang hinter die Kulissen der Dreharbeiten zu schauen und sich über die Arbeit vor Ort zu informieren.

Dieses Mal konnte Pfarrer Heiko Bräuning und sein Team Gäste aus Berlin, Solingen, Wies-baden, Karlsruhe, Freiburg, Stuttgart und aus der Schweiz begrüßen. Das Besondere: unter der Leitung von Pfr. Roland Martin war aus Stuttgart eine 30-köpfige Gästegruppe mit gehör-losen Menschen angereist. Roland Martin ist Landesgehörlosenpfarrer im Diakonischen Werk Württemberg und verantwortlich für die Gehörlosenarbeit in der Evangelischen Landeskirche Württemberg. Mit dem Landesgehörlosenpfarramt hat Stunde des Höchsten seit 2 Jahren eine intensive Kooperation. Stunde des Höchsten ist der erste und einzige TV-Gottesdienst im deutschsprachigen Europa, der wöchentlich die Gottesdienste auch in Deutscher Gebärden-sprache übersetzt. So haben Gehörlose das erste Mal die Möglichkeit, Woche für Woche Got-tesdienst zu feiern. Dass dieses Angebot gut angenommen wird, und von einer stetig wach-senden Zuschauerzahl von Gehörlosen in Anspruch genommen wird, ergeben nicht nur die vielen Rückmeldungen durch das Landesgehörlosenpfarramt, welches vernetzt ist mit allen Gehörlosen-Gemeinden in Württemberg und Deutschland, sondern auch eine neue SdH-Zuschauerumfrage, an der vor kurzem über 1200 Zuschauer teilgenommen haben. So ist nicht nur Stunde des Höchsten ein wichtiger Meilenstein in Sachen Inklusion und barrierefreiem Fernsehen, sondern auch der Zuschauertag auf dem Höchsten eine wertvolle und höchst er-freuliche Begegnung zwischen Hörenden und Nichthörenden. Der ganze Tag wurde von Pfr. Roland Martin in DGS übersetzt. Auch auf Musik wurde beim Zuschauertag viel Wert gelegt: so waren der Pianist Michael Schlierf, der regelmäßig im Fernsehgottesdienst zu hören und zu sehen ist, zu Gast, wie auch der Gitarrist Reinhard Börner, der ebenfalls in der Stunde es Höchsten predigend und musikalisch mitwirkt. Auf Wunsch aller wurde auch ein DGS-Lied zusammen eingeübt, was viel Eindruck machte auf die Hörenden. Kann man sich doch im Normalfall als Hörender nicht vorstellen, wie gehörlose Menschen Musik machen! Beim Zu-schauertag wurde zunächst gemeinsam Gottesdienst gefeiert. Nach einer Konzert-Einlage durch Schlierf und Börner hatten die Gäste die Möglichkeit, mit den Verantwortlichen des Fernsehgottesdienstes ins Gespräch zu kommen. Fragen wurden gestellt wie: „Wodurch fi-nanziert sich diese Arbeit", „Wie teuer ist ein Gottesdienst", „Wie wird der Gottesdienst in DGS übersetzt", „Wie ist der Ablauf der gesamten Produktion", „Welche Rolle spielen bei diesem Projekt die Zieglerschen" usw. Pfr. Heiko Bräuning und sein Team erklärten über eine Stunde lang: das ein Gottesdienst ca. 5000 Euro kostet, im Vergleich dazu: ein Fernsehgottes-dienst beim ZDF kostet ca. 150 000 Euro. Die Kosten bei SdH werden nicht durch Rundfunkgebühren und nicht durch Werbeeinnahmen gedeckt, sondern rein durch Spenden der Zuschauer. Die Dolmetscherin wird im Studio aufgenommen, nachdem ein Gottesdienst komplett fertig produziert ist. Die Zieglerschen stehen als Diakonie verantwortlich hinter diesem Gottesdienst. In den Zieglerschen wird in allen Einrichtungen regelmäßig Gottesdienst gefeiert. „Der Fernsehgottesdienst ist zutiefst diakonisches Anliegen", so Pfr. Heiko Bräuning von der Zieglerschen. „Die Wurzeln unserer Arbeit in Wilhelmsdorf liegen in der Taub-Stummen Arbeit. Wir haben uns schon immer intensiv um Menschen gekümmert, die nicht hören können. Es ist uns ein Anliegen, ihnen zu einem erfüllten Leben zu verhelfen. Dazu gehört auch das Erlebbarmachen des Evangeliums, das sich in der Person Jesu sehr oft gerade an diese Menschen mit Beeinträchtigungen richtet." Diakonische Gottesdienste zeichnen sich, so Bräuning, durch lebensnahe und alltagsrelevante Themen aus, die im Fernsehgottesdienst zum Beispiel durch Interviews mit Mitarbeitenden aus den Zieglerschen, ehemaligen Sucht-Patienten, Bewohnern oder kurzen Einspielfilmen aus dem Alltag in den Zieglerschen einge-bracht werden. Die theologische Botschaft der Predigten und Impulse zeichnet sich aus durch ermutigende, tröstende und hoffnungsvolle Inhalte. Nach der Fragerunde und einem gemein-samen Mittagessen gab es für die Besucher die Möglichkeit, einer Predigtaufzeichnung bei-zuwohnen, und sich danach selber vor der Kamera auszuprobieren. So trug unter anderen eine Zuschauerin selbst verfasste Gedichte vor, die von Reinhard Börner musikalisch umrahmt wurden. „Fast schon ein Casting für kommende Gottesdienstelemente!", sagte Pfr. Heiko Bräuning. „Erstaunlich, mit wie viel Mut, Kreativität und Engagement sich die Menschen vor die Kamera stellten und sich mit ihren Gaben und Talenten einbrachten!" Zum nächsten Zu-schauertag von SdH laden die Zieglerschen im kommenden Herbst ein. Nähere Informationen dazu gibt es im Internet unter www.stundedeshöchsten.de.

Stunde des Höchsten, der Fernsehgottesdienst der Zieglerschen wird wöchentlich auf BibelTV ausgestrahlt. BibelTV kann in Deutschland von 42 Millionen Haushalten empfangen werden. (Aus den Nachbarländern liegen keinen Zahlen vor.) Stunde des Höchsten hat wöchenlich in Deutschland, Schweiz und Österreich über 300 000 Zuschauer.