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Gemeinsame Presseinformation der Zieglerschen und der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Biberach

02.10.2012 | von Christof Schrade

Wilhelmsdorf / Biberach – Die Zieglerschen steigen aus dem Projekt »Miteinander im Bonhoeffer-Haus« aus. Geplant war, im Projekt »Miteinander im Bonhoeffer-Haus« im Biberacher Stadtteil Mittelberg neue und intensive Formen der Zusammenarbeit von evangelischer Kirchengemeinde und der Behinderten- und Altenhilfe der Zieglerschen zu verwirklichen. Nun scheitert das Projekt am Geld.

Die evangelische Kirche in Biberach hatte Ende 2009 nach Wegen gesucht, die Zahl ihrer Immobilien zu verkleinern. Das Gemeindezentrum »Bonhoeffer-Haus« stand zur Disposition. Mit den Zieglerschen fanden der Evangelische Kirchenbezirk und die Bonhoeffergemeinde einen Partner, mit dem sie gemeinsam nicht nur den Fortbestand des Gemeindezentrums sichern, sondern ganz neue Wege gehen wollten. Das »neue Bonhoefferhaus« sollte für 25 Menschen mit Behinderung Wohnen und Arbeit bieten. Darüber hinaus sollte die Diakonie-Sozialstation Biberach, ein ambulanter Pflegedienst in Trägerschaft der Zieglerschen, Räume im »neuen Bonhoefferhaus« beziehen. Unter dem gemeinsamen Dach waren Gottesdienst- und Gemeinderäume sowie das Pfarramt geplant, Räume sollten gemeinsam genutzt werden.

Doch nun müssen die Zieglerschen das Projekt stoppen. Denn die Refinanzierung des Projekts entwickelt sich nicht so, wie von den Zieglerschen erhofft. Zeitgemäße Projekte im Sinne der Inklusion wie das Bonhoefferhaus sind zwar politisch gewollt. Aber sie werden noch nicht hinreichend gefördert. Klar ist aus Sicht der Zieglerschen und vieler anderer Träger auch: Inklusion kostet Geld. Die Umwandlung von Komplexeinrichtungen in kleinere, wohnortnahe und dezentrale Angebote können die Träger finanziell nicht alleine schultern. Dafür signalisiert die Landespolitik parteiübergreifend durchaus Verständnis. Da aber nicht absehbar ist, wann entsprechende Förderrichtlinien geändert werden, sehen sich die Zieglerschen außer Stande, diese finanzielle Durststrecke auf unbestimmte Zeit durchzuhalten. Die Zieglerschen konkretisieren diese Probleme am Beispiel Biberach: Der Betreiber bleibt auf den Erwerbskosten des Grundstücks und einem Teil der Baukosten sitzen, weil marktübliche Baukosten noch nicht refinanziert werden. Auch die Wohngeldmietsätze sind noch so niedrig, dass sich hieraus die Wohnungen für das Ambulant Betreute Wohnen für Menschen mit schweren und komplexen Behinderungen nicht kostendeckend betreiben lassen. Jährlich wäre deshalb beim Betrieb der Einrichtung in Biberach ein sechsstelliges Defizit entstanden.

Die Verantwortlichen der Zieglerschen bedauern die Beendigung des Projekts außerordentlich. »Die Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde und ihren hauptamtlich und ehrenamtlich Verantwortlichen ist beispielhaft. Auch die Stadt Biberach und der Landkreis zeigen sich außerordentlich hilfsbereit und konstruktiv. Außerdem sind wir von der Idee, die dem Bonhoefferhaus zugrunde liegt, dass nämlich Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam wohnen, arbeiten und Gottesdienste feiern, nach wie vor voll überzeugt«, sagen Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Harald Rau und sein kaufmännischer Kollege Rolf Baumann. »Doch die Verwirklichung dieser Idee wird am geplanten Standort einfach zu teuer. Das ist wirtschaftlich nicht zu verantworten.«

In der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde löste die Nachricht Entsetzen und Enttäuschung aus. »Wir waren wie vor den Kopf gestoßen«, sagt Dr. Ulrike Werthmann, Vorsitzende des Gesamtkirchengemeinderates. Die Information sei für die Verantwortlichen der Kirchengemeinde aus heiterem Himmel gekommen, noch vor einer Woche wurden auf der Arbeitsebene weitere Entscheidungen für das Projekt getroffen.

Pfarrer Edzard Albers von der Bonhoeffergemeinde und Rolf Baumann hatten am vergangenen Sonntag zu Beginn des Gottesdienstes die Gemeindeglieder informiert. Beim anschließenden Gemeindefest war die Bestürzung mit Händen zu greifen. »Die Gemeindeglieder sind einen langen Weg gegangen, nach einer Trauerphase haben sie sich auf das neue Bonhoefferhaus gefreut, viel guter Wille wird zunichte gemacht«, so Albers. »Das war eine echte Zukunftsperspektive für Kirche und Diakonie«, ergänzt Dekan Hellger Koepff. Besonders bedauerlich sei daher, dass dieses innovative Konzept diakonischer Gemeindearbeit nicht verwirklicht werden kann. Außerdem stehe die Gesamtkirchengemeinde nach jahrelangen Verhandlungen wieder am Anfang. »Die Gremien werden nun prüfen, welche Alternativen sich auftun.«

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Für Rückfragen
steht Ihnen am 2.10.2012 von 9.00 bis 17.00 Uhr der Vorstandsvorsitzende der Zieglerschen, Prof. Dr. Harald Rau, zur Verfügung. Telefon: 07503 929-250

Außerdem ist Dekan Hellger Koepff unter 07351 9401 zwischen 10.00 und 11.00 Uhr sowie zwischen 14.00 und 17.00 Uhr zu erreichen.