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Den Mittelweg finden zwischen Erzieher und Freund

22.09.2014 | von Sarah Benkißer
Starttag Freiwillige 2014
72 Freiwillige aus 9 Ländern haben Anfang September ihren Dienst bei den Zieglerschen begonnen. Foto: Sarah Benkißer

„Am meisten Respekt habe ich davor, dass die Jugendlichen hier gerade mal zwei Jahre jünger sind als ich“, sagt Stephan. Laura pflichtet ihm bei: „Ja, ich denke auch, es wird schwierig, den richtigen Mittelweg zwischen Erzieher und Freund zu finden.“ Stephan und Laura sind zwei von insgesamt 72 Freiwilligen, die seit Anfang September ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bzw. ihren Bundesfreiwilligendienst (BFD) bei den Zieglerschen, einem diakonischen Sozialunternehmen mit rund 3.000 Mitarbeitern und Hauptsitz im oberschwäbischen Wilhelmsdorf, leisten.

72 Freiwillige aus 9 Ländern
Aus neun verschiedenen Ländern stammen die 72 Freiwilligen, die nun ein Jahr lang an einem der rund 60 Standorte der Alten-, Behinderten-, Jugend- und Suchthilfe und des Hör-Sprachzentrums der Zieglerschen mitarbeiten. Zwei der Bundesfreiwilligendienst-Leistenden sind Asylbewerber, die von der Gemeinde Wilhelmsdorf aufgenommen wurden. Abdoulie Sey stammt aus Gambia und musste aus seiner Heimat fliehen, weil er dort wegen politischer Aktivitäten gegen die Regierung von Präsident Jammeh zeitweilig inhaftiert war. Er zeigt auf seinen Arm. „Den haben mir die Polizisten im Gefängnis gebrochen“, erzählt er. Jetzt hat ihn seine lange Flucht aus Westafrika in die oberschwäbische 5.000 Einwohner-Gemeinde Wilhelmsdorf geführt. Seinen Bundesfreiwilligendienst leistet er in der Behindertenhilfe der Zieglerschen und sagt: „Diesen Job will ich weitermachen! Die Menschen mit Behinderung mögen mich und ich mag sie. In Wilhelmsdorf bin ich am Ziel meiner Reise angekommen.“

Endlich das Richtige gefunden
Die meisten der Freiwilligen sind junge Menschen aus der Region. Was motiviert sie dazu, sich ein Jahr lang für andere zu engagieren? Die Antworten sind sehr unterschiedlich. Laura zum Beispiel hat direkt nach der Schule keine passende Ausbildungsstelle gefunden, daher hat sie sich für ein FSJ beworben. „Ich bin noch total unentschieden“, sagt sie. „Ich will das Jahr nutzen zur Orientierung und Berufsfindung.“ Auch Leon wollte nach dem Abitur erstmal Erfahrungen sammeln. „Meine Schwester hat auch bei den Zieglerschen FSJ gemacht, deshalb hab ich mich beworben“, erklärt er. Malena hingegen weiß genau, was sie will: „Ich wollte eh zur Jugendhilfe. Und im Martinshaus Kleintobel hab ich ein ganz tolles Team.“ Und bei Jan wiederum war es ein glücklicher Zufall: „Ich hab schon viele verschiedene Jobs gemacht, aber es war nie das Richtige dabei. Dann habe ich von einem Bekannten eine Wohnung in Esenhausen übernommen und einen 400 Euro-Job bei den Zieglerschen begonnen. Jetzt mach ich ein BFD-Jahr und will dabei bleiben. Endlich hab ich das Richtige gefunden.“