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„Warum hat der Pfarrer immer die gleiche Krawatte an?“

09.10.2013 | von Heiko Bräuning
Fernsehteam bei der Arbeit

4 Jahre Fernsehgottesdienst „Stunde des Höchsten" aus Oberschwaben
(Wilhelmsdorf/ Hamburg) Jeden Sonntag morgen um 8.30 Uhr gibt es für den neunjährigen Silas und seinen Bruder Lukas nur eins: Gottesdienst! Und zwar den Fernsehgottesdienst „Stunde des Höchsten", den die Zieglerschen Woche für Woche über BibelTV vom Höchsten senden. Silas und Lukas sind Zwillinge und von Geburt an stark hörbehindert. Seit einem Jahr können Sie mit Mama und Papa jeden Sonntag gemeinsam Gottesdienst feiern, weil Stunde des Höchsten auch in Deutsche Gebärdensprache übersetzt wird, und die haben Silas und Lukas in der Schule gelernt! „Zum ersten mal können wir regelmäßig zusammen Gottesdienst feiern. Das bedeutet uns als Familie sehr, sehr viel." sagt der Vater von Silas und Lukas.

Jetzt hat die Familie einen weiten Weg auf sich genommen: Von Nützen, ober-halb von Hamburg, sind sie über 800 Kilometer nach Wilhelmsdorf gereist, um beim Zuschauertag anlässlich des 4. Geburtstages von SdH auf dem Höchsten dabei zu sein. Sie hatten sich eingefunden mit über siebzig weiteren Personen: von Rendsburg bis nach Kloten in der Schweiz. Dabei gab es die Möglichkeit, die Dreharbeiten zu SdH live mitzuerleben, und selber mal vor oder hinter der Ka-mera zu stehen. Natürlich wollten das auch Silas und Lukas ausprobieren. Und haben sich mutig vor die Kamera gestellt und erklärt, warum sie jeden Sonntag „Stunde des Höchsten" schauen! Das Wichtigste aber war: sie alle konnten an diesem 04. Oktober die Mitwirkenden des Gottesdienstes live erleben: den Pianisten Michael Schlierf, die Konzertpianisten Ann-Helena Schlüter, die Dolmetscherin Anja Hemmel, die Schauspielerin Angela Eickhoff, den Musiker Reinhard Börner, und viele mehr. Pfarrer Heiko Bräuning, Initiator und Verant-wortlicher für den Fernsehgottesdienst der Zieglerschen begann den Zuschauertag mit einem „Live-Gottesdienst". Mit dabei war auch Pfarrer Roland Martin, der Landesgehörlosenpfarrer des Diakonischen Werkes in Stuttgart. Nach dem Gottesdienst gab es die Möglichkeit für die Zuschauer, ihre Fragen zum Gottes-dienst zu stellen. Und Silas und Lukas nahmen kein Blatt vor den Mund. „Pfarrer Bräuning, wie bist du eigentlich im letzten Gottesdienst so schnell in den Kräutergarten gekommen und danach wieder zur Predigt in die Kapelle?" „Pfarrer Bräuning, warum hast du eigentlich immer die gleiche Krawatte an? Hast Du keine andere?" Und so kitzelten die kleinen Zuschauer aus den Verantwortlichen raus, was fast so etwas wie ein kleines Betriebsgeheimnis bei SdH ist: man dreht in den Drehtagen keinen „Live-Gottesdienst", sondern nimmt nacheinander verschiedene Gottesdienstelemente auf: zuerst die Moderationen und die Liturgie, dann die Predigten. Am Nachmittag reisen im Halb-Stunden-Takt die Gäste des Gottesdienstes an, die von Pfarrer Heiko Bräuning interviewt werden. Oft sind das Mitarbeitende aus der Diakonie. Diesmal waren u.a. dabei: die Diakonisse Schwester Anne Messner: die engagierte Christin hat viele Jahre lang ein Kinderheim geleitet und danach das Projekt „Helpline" gegründet, wo sich Hilfsbedürftige und Helfende miteinander vernetzen. Ghia Falk war da, die vor über 40 Jahren eine Alkoholtherapie bei den Zieglerschen in der Klinik auf dem Höchsten absolvierte, und seit der Zeit abstinent lebt. Einer der streitbarsten Theologen Deutschlands, Prof. Dr. Peter Beyerhaus stand genauso Rede und Antwort, wie der ehemals jüngste Politiker der Schweiz, der Unternehmer Herbert Heuscher. Für Pfarrer Heiko Bräuning ist wichtig: „Die Gäste im Gottesdienst müssen nichts Großartiges vollbracht haben und keinen großen Namen tragen. Jeder Mensch ist mit seiner Biografie so einzigartig und interessant, dass er würdig und wichtig genug ist, mit ihm darüber zu reden." Und so kommen Gespräche zustande, die ohne große Showallüren den Glauben an Gott mitten im Alltag rüberbringen. In den Tagen des Erntedankfestes gab es auch in Sachen „Stunde des Höchsten" für Pfarrer Heiko Bräuning und sein Team viele Gründe, dankbar zu sein. Nach wie vor steigen die Zuschauerzahlen. Pro Woche erreicht das SdH-Zuschauerbüro bis zu 300 Anrufe, Briefe und E-Mails. Das ist für den Zuschauerservice unter der Leitung von Gabriele Bräuning keine ganz leichte Aufgabe. Den Telefondienst zu den Sendezeiten deckt ein kleines ehrenamtliches Team ab. Die Reaktionen kommen aus ganz Deutschland, sowie Österreich und der Schweiz. „Auch in der Schweiz steigt die Zahl der Zuschauer kontinuierlich. SdH ist der einzige Gottesdienst in der Schweiz, der wöchentlich im Fernsehen übertragen wird. Einen wöchentlichen Gottesdienst wie er in Deutschland beispielsweise beim ZDF üblich ist, gibt es dort nicht. Wir freuen uns sehr, dass so viele begeisterte Reaktionen aus der Schweiz kommen! Das ist ein Stück weit „back tot he roots" für die Zieglerschen. Denn: mit die ersten Menschen, die von Zieglerschen im 19. Jahrhundert betreut wurden, kamen aus der Schweiz!", so Pfarrer Heiko Bräuning. Natürlich brachten die Zuschauer anlässlich des 4. Geburtstages von SdH auch Geschenke mit: Wurstdosen für das Fernsehteam, persönlich verfasste Gedichtbände, selbst gestaltete Spendendosen in Fernseh- und Kirchenform, und vieles andere mehr. „Wir freuen uns sehr über die enge Verbundenheit der Zuschauer mit SdH. Viele von denen, die sich bei uns melden, sind regemäßig mit uns in Kontakt. So überlegen wir ernsthaft, ob wir uns vom Fernsehgottesdienst zur Fernsehgemeinde entwickeln müssen.", sagt Pfarrer Heiko Bräuning. Eine dieser Gemeinde-Aktivitäten ist eine weitere SdH-Zuschauerreise. Diese führt vom 09. - 18. Februar 2014 nach Israel. Das besondere an der Reise: sie wird in Deutsche Gebärdensprache übersetzt, so dass Taube und Hörende mitreisen können. „Von den bisher dreißig Anmeldungen haben sich sieben als „Gehörlose" angemeldet. Das ist für uns Zieglersche ein Stück weit Inklusion.", so Bräuning. Überhaupt verstehen die Zieglerschen ihren Fernsehgottesdienst als Inklusion: barrierefreies Fernsehen, für Menschen mit und ohne Behinderung, aber auch für Menschen, die Mühe haben, in die Kirche zu gehen. Silas und Lukas jedenfalls fiebern schon wieder dem nächsten Sonntag entgegen. Auch die Liste hat sich Silas schon zurechtgemacht, auf der er genau mitschreibt, wer im Gottesdienst mitmacht und über was der Pfarrer predigt! Und das hat die Verantwortlichen dann doch auch noch gerührt: „Einen Teil vom Taschengeld stellen Silas und Lukas Woche für Woche für Sdh zur Verfügung. Es ist ihnen wichtig", verrät der Papa.
„Stunde des Höchsten" wird ausgestrahlt über BibelTV: Sonntag 8.30 Uhr (mit DGS) und 14 Uhr, Mittwochs um 24 Uhr (mit DGS), Freitags um 6 Uhr, Samstags um 12 Uhr. Der Fernsehgottesdienst finanziert sich ausschließlich aus Spenden. (Stunde des Höchsten, Konto 135 135, EKK Kassel, BLZ 520 604 10). Mehr Informationen unter www.stunde-des-hoechsten.de