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Wilhelmsdorfer stellen die Nationalmannschaft in LA

23.07.2015 | von Philipp Richter, Schwäbische Zeitung Ravensburg
Sport LA Unified_gr
Sie sind sechs von 13 Wilhelmsdorfern, die am Dienstag zu den Special Olympics nach Los Angeles in die USA fahren (von links): Tobias Stäbler (Coach), Kadir Yilidirm (Athlet), Jan-Thomas Wurster (Partner), Erik Letzner (Partner), Dennis Kutzner (Athlet und Mannschaftskapitän) und Raphael Stäbler (Coach). Sie vertreten Deutschland im Volleyball. (Foto: Philipp Richter, Schwäbische Zeitung Ravensburg)

Sie sind stolz, glücklich und etwas aufgeregt: Heute fliegen 13 Wilhelmsdorfer zu den Special Olympics nach Los Angeles in die USA und vertreten dort Deutschland in der Sportart Volleyball. Die Special Olympics sind die olympischen Spiele von Menschen mit geistiger Behinderung oder Mehrfachbehinderung.

Alle 13 sind Volleyballer und in der Turn- und Sportgemeinschaft (TSG) Wilhelmsdorf engagiert. Dort begann Michael Stäbler 1991 "Unified Volleyball" - ein inklusives Sportprojekt von Menschen mit und ohne Behinderung der TSG und der Heimsonderschule Haslachmühle der Zieglerschen. So treten die Wilhelmsdorfer auch in gemischten Teams an. Insgesamt sind es fünf Athleten mit geistiger Behinderung mit ihren fünf nicht behinderten Partnern, die von drei Trainern betreut werden.

"Ich freue mich voll auf morgen und das schöne Los Angeles. Endlich!", schreibt Kadir Yildirim beim Gespräch am Montag auf einen Zettel, denn der 20-Jährige ist taubstumm. Und da zeigt sich schon eine besondere Situation, was das Spiel der Unified-Mannschaften von normalen Spielen unterscheidet. "Da passiert es auch mal, dass Kadir noch weiterspielt und rangeht, wenn bereits ,Aus' gerufen wurde, weil er eben nichts hört", berichtet Tobias Stäbler, einer der drei Trainer.

Große sportliche Erfolge

Als ihren Mannschaftskapitän haben die Spieler Dennis Kutzner gewählt, der sich auch schon sehr auf die Spiele in Amerika freut. Er hat den großen Vorteil, dass er mit allen Spielern im Team kommunizieren kann - zum Beispiel auch mit Kadir. Denn der 20-Jährige kann sprechen und Gebärdensprache. "Ich bin schon aufgeregt. Dann kann ich wieder um die Welt reisen. Das mach ich ja gerne", sagt er und grinst über beide Ohren. In ganz Wilhelmsdorf freut man sich über den Erfolg der Sportler. "Am Montag hatte ich meinen letzten Schultag. Meine Lehrer sind traurig, dass sie mich nicht mehr sehen. Aber sie freuen sich, dass wir Deutschland vertreten dürfen", erzählt Dennis Kutzner stolz.

Jan-Thomas Wurster (20) und Erik Letzner (19) sind beide Partner und haben sich freiwillig für Unified Volleyball gemeldet, weil sie Lust auf diesen inklusiven Sport hatten. "Der größte Unterschied zum Sport in normalen Mannschaften ist, dass der Druck nicht so hoch ist wie sonst im Sportverein. Normalerweise geht es immer darum, so hoch wie möglich zu gewinnen, und hier geht es hauptsächlich um den gemeinsamen Spaß am Spiel", sagt Erik Letzner. Nichtsdestotrotz wird auch hier um einen Sieg gekämpft, und die Wilhelmsdorfer Volleyballer zeigten schon des Öfteren, dass sie Volleyball gut können.

Bei den weltweiten Special Olympics erreichten sie 1999 in Raleigh (USA) eine Bronzemedaille, 2007 in Shanghai (China) den vierten Platz, 2011 in Athen (Griechenland) eine Silbermedaille und 2003 in Dublin (Irland) sogar die Goldmedaille. Bei der Europameisterschaft 2014 in Warschau (Polen) holten sie die Silbermedaille.

Bei den internationalen Begegnungen können die Wilhelmsdorfer auch beobachten, dass man in anderen Ländern auch unterschiedlich mit dem Thema Inklusion umgeht. Jan-Thomas Wurster ist das zum Beispiel bei den amerikanischen Mannschaften aufgefallen. "Dort sieht man es so, dass der letzte Angriffsschlag die meiste Ehre bringt, und der ist den Athleten vorbehalten. Das heißt aber, dass sie den Ball nicht zustellen. Das finde ich schade. Bei uns dürfen nämlich alle alles machen", so Jan-Thomas Wurster.

Heute werden die 13 Wilhelmsdorfer also in Los Angeles landen. Um 5 Uhr in der Früh bringt sie ein Bus von Wilhelmsdorf auf den Münchener Flughafen, wo ihr Flug in die USA startet. Dann bekommen die Sportler erst mal ein bisschen Programm, das ihnen die Stadt zeigt und das Land näherbringen soll.

Am Freitag, 24. Juli, ist es dann so weit: Mit einer Eröffnungsfeier starten die Sportler aus aller Welt in den Wettkampf und spielen bis zum Abschluss am 3. August um Medaillen. Kadir Yildirim schätzt die Chancen der Wilhelmsdorfer als gut ein. Wer ihn fragt, bekommt eine einfache Antwort: "Wie 2014: Gold!"

mehr: s. Schwäbische Zeitung Ravensburg

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