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Lebendiges Miteinander

22.05.2014 | von Katharina Stohr und Petra Bongartz-Demelt
Türöffnertag MiniTu_gr
Gemeinsam spielen und lernen – Kinder mit und ohne Behinderung zeigen beim „Türöffnertag“ der Betriebskindertagesstätte MiniTu und des Schulkindergartens Haslachmühle, wie das geht. Im Kreis v.l. Claudia Metzler, Leiterin Außengruppe Haslachmühle Stehende Reihe v.l. Pit Niermann, Direktor Heimsonderschule Haslachmühle, Gabi Baur, Heimsonderschule Haslachmühle Stehende Reihe v.r. Christoph Arnegger, Kaufmännischer Geschäftsführer Behindertenhilfe der Zieglerschen, Bernd Eisenhardt, Fachschuldirektor Heimsonderschule Haslachmühle, Silke Moll, Bereich Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Rolls-Royce Power System AG, Eva Walling, Fachbereichsleitung Kindertagesstätten, Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. (Foto: Katharina Stohr)

Zur Begrüßung hüpft Fridolin, der kleine Frosch, zum gleichnamigen Lied im Kreis herum und quakt mit jedem auf seine Weise: Das Duett mit dem Breitmaulfrosch klingt völlig anders als der Gesang der Nachtigall. Im richtigen Leben besucht Fridolin eine Außengruppe des Schulkindergartens Haslachmühle, die seit September 2013 einen Raum in der Betriebskindertagesstätte „MiniTu“ der Rolls-Royce Power Systems AG in Friedrichshafen bezogen hat.

Er und vier weitere Kinder mit einer Hör-Sprachbehinderung und zusätzlicher Entwicklungsverzögerung oder geistigen Behinderung erhalten hier individuelle Förderung in der Kleingruppe. Zum Spielen besuchen sie ihre Freunde aus der Partnergruppe oder laden sie zu sich ein. Beim „Türöffnertag“ wurde dieses Modell des gemeinsamen Lernens von Kindern mit und ohne Entwicklungsbesonderheiten jetzt allen Interessierten vorgestellt.

„Wie können wir Kinder, die nicht oder nur wenig sprechen, in ihrer Entwicklung unterstützen und ihnen gleichzeitig die Möglichkeit bieten, vom Vorbild anderer Kinder zu profitieren? “ Mit dieser Frage hat sich Petra Bongartz-Demelt, die Leiterin des Schulkindergartens Haslachmühle, schon seit einigen Jahren beschäftigt. Seit 2004 ist die zur Behindertenhilfe der Zieglerschen gehörende Einrichtung an verschiedenen Standorten im Landkreis Ravensburg Kooperationen mit Regelkindergärten eingegangen.

Durch die Kooperation mit der Betriebskindertagesstätte MiniTu der Rolls- Royce Power Systems AG, die in Trägerschaft der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. steht, gibt es nun auch im Bodenseekreis ein wohnortnahes Angebot. Die Leiterin der Betriebskindertagesstätte, Claudia Kolodziej, empfindet den Kontakt zwischen den unterschiedlichen Kindern als gegenseitig bereichernd und konnte zu Beginn der Kooperation keine Hemmschwellen wahrnehmen: „Das sind fünf Freunde, die dazugehören und mitspielen. Ich glaube, dass die Kinder untereinander keine Unterschiede empfinden.“ Diesen Eindruck bestätigt auch die Gruppenleiterin Gerlinde Fries: „Die Kinder haben begeistert das Lied vom Frosch Fridolin miteinander eingeübt.“

Dennoch ist der eine oder andere manchmal vom allgemeinen Trubel überfordert. Wenn Ruhe oder gezielte Fördereinheiten nötig sind, kann sich die Gruppe entwicklungsverzögerter Kinder in ihren eigenen Raum zurückziehen. „Wir geben den Kindern einfach die Zeit, die sie brauchen“, sagt Claudia Metzler, die Leiterin der Außengruppe.

 „Kinder, die nicht reden können, haben dennoch etwas zu sagen“, ergänzt Pit Niermann, Direktor der Heimsonderschule Haslachmühle. „Sie brauchen den gezielten Aufbau alternativer Ausdrucksmöglichkeiten, wie beispielsweise die Gebärden oder unterstützende Medien in Form von Fotokarten, Bild- oder Symboltafeln“, fügt seine Mitarbeiterin hinzu. Oft fänden die Kinder über diese sprachbegleitenden Hilfen einen leichteren Zugang zur gesprochenen Sprache.

Silke Moll, zuständig für den Bereich Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei der Rolls-Royce Power System AG freut sich über den gelungenen Start der Intensivkooperation und die damit gewonnenen neuen Einblicke. „Erst kürzlich konnte ich einem Kollegen, der selbst ein entwicklungsverzögertes Kind hat und Hilfe suchte, mit einem Tipp in Richtung Schulkindergarten weiterhelfen.“

Frosch Fridolin und seine Freunde aus Schulkindergarten und Betriebskindertagesstätte haben mittlerweile fertig gequakt und ihre Vorführung vor einem breiten Fachpublikum beendet. Bleibt eine offene Frage: Welches Kind gehörte zu welchem Kindergarten?