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Landtagspräsident Guido Wolf besucht Heimsonderschule Haslachmühle

10.07.2012 | von Annette Scherer
Landtagspräsident Guido Wolf besucht Heimsonderschule Haslachmühle
Landtagspräsident Guido Wolf (3. von links) beim Besuch einer Schulklasse der Heimsonderschule Haslachmühle. Von links: Prof. Dr. Harald Rau (Vorstandsvorsitzender der Ziegleschen), Christoph Arnegger (Kaufmännischer Geschäftsführer Behindertenhilfe), Bernd Eisenhardt (Fachschuldirektor Heimsonderschule Haslachmühle), Volker Restle (Bürgermeister Horgenzell), Sven Lange (Fachlicher Geschäftsführer Behindertenhilfe), Pit Niermann (Direktor Heimsonderschule Haslachmühle), Dr. Hans Gerstlauer (Bürgermeister Wilhelmsdorf)

Chancen und Grenzen des selbstverständlichen Miteinanders von Menschen mit und ohne Behinderung, der sogenannten Inklusion, standen im Mittelpunkt des Austausches beim Besuch von Landtagspräsident Guido Wolf in der Heimsonderschule Haslachmühle, einer Einrichtung der Zieglerschen Behindertenhilfe für Menschen mit Hör-Sprach- und zusätzlicher geistiger Behinderung.  

Sven Lange, Fachlicher Geschäftsführer in der Behindertenhilfe, der die Einladung an den Politikert zusammen mit seinem Weihnachtsgruß im vergangenen Jahr überbracht hatte, regte an, die Sozialplanung für überörtliche Spezialanbieter künftig auf Landes- oder Bundesebene anzusiedeln.

 

Auch in Zeiten der Inklusion gibt es Menschen, die an Regelschulen überfordert sind und von einem geschützten Lebens- und Lernraum, den eine Komplexeinrichtung bietet, profitieren. Das beweisen die oft tragischen Lebensläufe von Schülern, die manchmal nach fünf oder sechs Schulabbrüchen in die Heimsonderschule Haslachmühle kommen und für die diese Aufnahme die letzte Chance vor einer Einweisung in die Psychiatrie ist. Gerade Menschen mit kommunikativen Einschränkungen, die nicht oder kaum hören und sprechen können, sind in einem „normalen Umfeld“ oft isoliert. Das berichtete Pit Niermann, Direktor der Heimsonderschule Haslachmühle. Er sprach sich dafür aus, das Wunsch- und Wahlrecht von Menschen mit Behinderung und deren Angehörigen in den Mittelpunkt der Inklusionsdebatte zu stellen und wandte sich vehement gegen eine Abschaffung von Sonderschulen und eine „Zwangsvergemeinschaftung“. Er wies darauf hin, dass in Bundesländern, in denen Sonderschulen abgeschafft worden sind, bereits wieder Gegenbewegungen sichtbar seien. „Auch wir sind mit unserer Spezialeinrichtung Teil einer inklusiven Idee“, ergänzte Professor Dr. Harald Rau, Vorstandsvorsitzender der Zieglerschen. Oft könne gerade die Sonderwelt einer Komplexeinrichtung Menschen dazu befähigen, Anteil an der Gesellschaft zu haben. Er warnte davor, nur leichte Fälle in die Sozialräume zu verlagern. Denn das könne zu einer Ghettobildung führen.

 

Sven Lange, Fachlicher Geschäftsführer in der Behindertenhilfe, erläuterte Wolf die aktuellen Dezentralisationsprojekte in der Behindertenhilfe, einem Spezialanbieter für Menschen mit Hör-Sprach- und zusätzlicher geistiger Behinderung mit bundesweitem Einzugsgebiet. 121 der 512 stationären Wohnplätze sollen in den nächsten Jahren dezentralisiert werden, 80 davon in andere Landkreise außerhalb von Ravensburg. Er wies darauf hin, dass aktuell nur 64 der stationären Wohnplätze in Kostenträgerschaft des Landkreises Ravensburg stehen. Für die restlichen 448 Plätze sind 45 weitere Landkreise zuständig. Geregelt wird die Sozialplanung aber auf kommunaler Ebene. Lange plädierte dafür, die Sozialplanung für überörtliche Spezialanbieter künftig auf Landes- oder Bundesebene anzusiedeln. 

 

Landtagspräsident Guido Wolf, der aufgrund seiner Vergangenheit als Landrat von Tuttlingen u.a. auch ein exzellenter Kenner der Sozialpolitik auf kommunaler Ebene ist, versprach, die Anliegen der Zieglerschen Behindertenhilfe weiterzuleiten und bat auch künftig um fachliche Unterstützung, die ihm Professor Dr. Harald Rau gerne zusicherte.