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Heimat ist der Ort, an dem ich ohne Angst anders sein kann

14.01.2014 | von Karin Roth-Hieke und Annette Scherer
Aulendorf Karin Roth-Hieke_gr
Karin Roth-Hieke wird die Leitung am neuen Standort der Behindertenhilfe in Aulendorf übernehmen. (Foto: privat)

Aulendorf soll nächster neuer Standort der Zieglerschen Behindertenhilfe werden. In unmittelbarer Nähe zur dortigen Therme und zentrumsnah wurde in der Ebisweiler Straße ein schönes Hanggrundstück gefunden, das eingebunden in einem gewachsenen Wohngebiet liegt.

Hier soll ein dreigeschossiges Gebäude mit 19 Wohnplätzen, einem Förder- und Betreuungsbereich für 13 Personen und einem großzügigen Garten entstehen. Bereits im November sind die großen Abrissbagger vorgefahren, damit gleich nach der Winterpause mit dem Aufbau begonnen werden kann.

Karin Roth-Hieke wird die Standortleitung in Aulendorf übernehmen und ist mit einem Stellenumfang von 20 Prozent freigestellt, um sich auf ihre neue Aufgabe vorzubereiten. Sie erzählt: „Ich sehe meine neue Aufgabe, den Standort Aulendorf mit zu entwickeln, als Chance, meine bisherigen beruflichen Erfahrungen einzubringen. Ich freue mich darauf, neue Wege mit zu entwickeln.

Zurzeit bin ich dabei, Kontakte zu potenziellen oder auch schon festen neuen Bewohnern aufzubauen und sie in ihren Wohngruppen zu besuchen. Mir ist es sehr wichtig, die Menschen in ihrer jetzigen Umgebung kennen zu lernen und mich persönlich über ihre Vorlieben und Wünsche beispielsweise zum Thema Farbgestaltung oder Möblierung zu informieren. Wir haben für interessierte Klienten auch schon Ausflüge nach Aulendorf organsiert. Zur gegenseitigen Beratung und zum Erfahrungsaustausch stehe ich im engen Kontakt mit der Standortleitung von Bad Saulgau. Auch ein UK-Buch über Aulendorf und die Angebote dort ist bereits in Arbeit. Es soll als Kommunikationsgrundlage für die Neu-Aulendorfer dienen.

Durch die überschaubare Größe des Wohnbereichs sehe ich die Chance, uns noch stärker an den Bedürfnissen der dort lebenden Menschen zu orientieren, individueller zu gestalten und autonomer zu werden. Dennoch werden wir trotz aller Bemühungen um Normalisierung auch an den neuen Standorten wieder ein Sondersystem haben. Wir wollen bei Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf unterschiedliche Betreuungsformen und Konzepte umsetzen, die den Fokus auf die Stärkung der Selbsthilfekräfte und die Schaffung entwicklungsfördernder Lebensbedingungen des Einzelnen legen.

Eine wichtige Aufgabe bei der Umsetzung des Rechts auf Teilhabe wird es sein, Netzwerke aufzubauen. Denn um soziale Einbindung zu fördern, reicht es nicht aus, Wohnmöglichkeiten inmitten einer Gemeinde zu schaffen und eine gute individuelle und emotional sichere Begleitung und Betreuung zu gewährleisten. Es gilt, das Umfeld und hier vor allem die Nachbarn und Vereine für ein Miteinander zu öffnen und die Bereitschaft zum „ Zusammenleben“ mit zu entwickeln. Dies erfordert ein offenes und starkes Team, das bereit ist, sich diesen Aufgaben zu stellen. Jeder einzelne Kollege wird in Aulendorf die Möglichkeit haben, sehr unterschiedliche, vielseitige und abwechslungsreiche Aufgaben zu übernehmen.

Ich hoffe, dass sich Kollegen aus Wilhelmsdorf und der Haslachmühle finden, die ihre Erfahrung mit einbringen und sich gleichzeitig auch auf neue Möglichkeiten und Herausforderungen freuen. Wir wollen gemeinsam dieses neue Haus mit beleben und mit gestalten. Ich freue mich auf Aulendorf und hoffe sehr dass viele gute Gedanken und Ideen umgesetzt werden können und wir an diesem neuen Ort eine Heimat finden und somit der Satz den Adorno geprägt hat Wirklichkeit wird „ Heimat ist der Ort, an dem ich ohne Angst anders sein kann“.“