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Fachtag „Unterstützte Kommunikation“ der Heimsonderschule Haslachmühle erfuhr große Resonanz und viel Anerkennung

25.04.2013 | von Barbara Müller
UK-Fachtag HLM_gr
"Auch ohne Lautsprache kann man mitspielen und viel Spaß haben", erklärte Roswitha Österle (2. von links), Kommunikationspädagogin der Heimsonderschule Haslachmühle, in dem von ihr geleiteten Workshop. (Foto: Barbara Müller)

Menschen mit einer Hör-Sprachbehinderung und zusätzlicher geistiger Behinderung brauchen intensive und spezielle Förderung im Bereich der Kommunikation.

„Es gibt ganz neue Entwicklungen und verschiedene Formen der Unterstützen Kommunikation“, sagte Fachschuldirektor Bernd Eisenhardt. Als Kompetenzzentrum für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene hatte die Heimsonderschule Haslachmühle zu einem Fachtag zu Formen der Unterstützten Kommunikation eingeladen. „Das Interesse ist überwältigend“, freute sich Eisenhardt. Rund 180 Teilnehmer aus ganz Deutschland, darunter Sonderschullehrer, Logopäden und Vertreter von Beratungseinrichtungen, waren in die Haslachmühle gekommen. Auch Gäste aus den Nachbarländern Schweiz und Österreich waren dabei.

„Nicht nur die Referenten überzeugen, auch das Workshop-Angebot ist richtig gut“, lobte eine Logopädin aus der Schweiz. „Die Praxisnähe ist sehr hilfreich. Ich kann vieles direkt in meiner alltäglichen Arbeit anwenden. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die Großes bewirken“, sagte ein Sonderschullehrer.

Referenten des Fachtags waren sowohl Mitarbeiter der Heimsonderschule Haslachmühle als auch externe Fachleute. Mit der Lehrlogopädin Kerstin Nonn vom Klinikum der Universität München und dem Sozialpädagogen Claudio Castaneda von der Beratungsstelle UK & Autismus der Lebenshilfe Köln beispielsweise berichteten ausgewiesene Fachleute aus ihrer täglichen Arbeit und von ihren positiven Erfahrungen mit Unterstützter Kommunikation.

Eine nicht funktionierende Kommunikation führe auf beiden Seiten zu Frust, gab Eisenhardt zu bedenken. „Wenn einem die Worte fehlen, besteht die Gefahr, dass man Dinge bekommt, die man eigentlich nicht will. Und dass man Dinge, die man möchte, nicht bekommt“, erklärte der Fachmann. Mit neuen elektronischen Hilfsmitteln und technischen Weiterentwicklungen seien in den letzten Jahren völlig neue Möglichkeiten eröffnet worden, auch ohne funktionierende Lautsprache erfolgreich zu kommunizieren. Bei der Verständigung „ohne Worte“, so der Fachmann, haben die körpereigenen Kommunikationsmittel in Form von lautsprachersetzenden, lautsprachbegleitenden oder lautsprachunterstützenden Gebärden eine große Bedeutung und Akzeptanz erlangt. „Die Zeiten, als Gebärden verpönt und verboten waren, sind zum Glück Vergangenheit.“

Unter den seit 1992 etablierten Oberbegriff „Unterstützte Kommunikation“ werden alle pädagogischen beziehungsweise therapeutischen Maßnahmen subsumiert, die eine Erweiterung der kommunikativen Möglichkeiten bei Menschen ohne Lautsprache bezwecken. Zielgruppe sind Menschen, die zwar ein ihrem Entwicklungsstand gemäßes Sprachverständnis besitzen, aber aufgrund einer Behinderung in der lautsprachlichen Kommunikation eingeschränkt sind.

Wie vielfältig Unterstützte Kommunikation eingesetzt werden kann, zeigten die verschiedenen Workshops, in denen die Teilnehmer unterschiedliche Formen und Programme kennenlernten. So erfuhren sie unter anderem, wie eine Bilderbuchgeschichte mit Gebärden erzählt werden kann, wie Gebärdenvideos in verschiedenen Kontexten eingesetzt werden können, wie wichtig die Hörgeräteversorgung bei mehrfachbehinderten Kindern und Jugendlichen ist oder wie durch Leichte Sprache Texte besser verstanden werden können.

„Auch ohne Lautsprache kann man mitspielen und viel Spaß haben“, sagte Roswitha Österle, Kommunikationspädagogin der Heimsonderschule Haslachmühle. In ihrem Workshop zu Gesellschafts- und Brettspielen mit Unterstützter Kommunikation erhielten die Teilnehmer nicht nur viele wichtige Tipps, wie mit einfachen Mitteln Kommunikation unterstützt werden kann. Sie durften auch selbst mitspielen und den Einsatz von Sprachaufnahmegeräten und anderen Hilfsmitteln testen. „Das war nicht nur überaus informativ, sondern hat auch viel Spaß gemacht“, lobte eine Sprachtherapeutin.

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