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Bekenntnis zum Wunsch- und Wahlrecht gefordert

31.07.2012 | von Katharina Stohr
MdB Thomas Bareiß und MdL Rudolf Köberle zu Besuch in der Haslachmühle
Austausch mit Lehrerinnen und Lehrern der Heimsonderschule Haslachmühle: (3. v.l.) Pit Niermann, Schuldirektor, Christoph Arnegger, Kaufmännischer Geschäftsführer der Behindertenhilfe, Sven Lange, Fachlicher Geschäftsführer der Behindertenhilfe, Rudolf Köberle, MdL CDU, Daniel Jennerwein, Assistent Köberle, Patrick Bock, Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Horgenzell, Thomas Bareiß, MdB CDU, Bernd Eisenhardt, Fachschuldirektor, Volker Restle, Bürgermeister Horgenzell. (Foto: Katharina Stohr)

Mit der Bitte um ein klares Bekenntnis zum Wunsch- und Wahlrecht für Menschen mit Behinderung wurden die CDU-Abgeordneten Thomas Bareiß (MdB) und Rudolf Köberle (MdL) in der Heimsonderschule Haslachmühle empfangen.

Auch Bürgermeister Volker Restle aus Horgenzell und Vertreter des CDU-Ortsverbandes Horgenzell waren angereist und tauschten sich mit Rolf Baumann, dem Kaufmännischem Vorstand der Zieglerschen, mit den Geschäftsführern und mit der Schulleitung der Behindertenhilfe aus.

 

Zentrales Thema der Gespräche und des Rundgangs vor Ort war die Haslachmühle als Spezialeinrichtung für Menschen mit Hör-Sprach- und zusätzlicher geistiger Behinderung. „Wir wollen soweit es geht, dass Menschen mit und ohne Behinderung zusammen leben“, sagte Direktor Pit Niermann, „das ist unser Credo“. Beispielsweise sei kein Kind der schuleigenen Kindergärten auf dem Gelände, sondern in Kooperationsgruppen in Regelkindergärten untergebracht. Zudem nehme die Zahl der Außenklassen wie in Illmensee oder Wilhelmsdorf zu und weite sich nun auch nach Schmalegg aus.

 

Demgegenüber stehe die Besonderheit der Haslachmühle als Lebens- und Sprachraum. „Unser Fokus liegt hier ausschließlich auf Menschen mit Hör-Sprach- und zusätzlicher geistiger Behinderung“, sagte Pit Niermann. Mit der individuell zugeschnittenen „Unterstützten Kommunikation“ werde den Bewohnern der Haslachmühle ermöglicht, sich auszudrücken und mit ihrer Umwelt zu kontaktieren. In anderen Einrichtungen für lediglich Hör-Sprachbehinderte seien diese Menschen mit ihrer geistigen Behinderung das fünfte Rad am Wagen. „Wenn wir den Betroffenen hier diesen geschützten Raum und das entsprechende Umfeld bieten können, erleben sie sich als nicht behindert.“ Dies wiederum ermögliche Inklusion pur. Die Heimsonderschule Haslachmühle biete somit eine besondere Gemeinschaft für Menschen, die diese ansonsten nirgends erleben könnten.

 

„Inklusion darf nicht zur Gleichmacherei führen - jeder Mensch ist anders und daher muss jeweils im Einzelfall geprüft werden, wo er oder sie am besten aufgehoben ist“, sagte Sven Lange, Fachlicher Geschäftsführer der Behindertenhilfe. Er verwies auf den Wegfall vieler Sonderschulen in anderen Bundesländern oder auch in Österreich - ausgelöst durch die Inklusionsdebatte. In diesen Ländern würden mittlerweile bestimmte Menschen auf der Strecke bleiben. „Wer nicht inkludierbar ist, fällt durch ein grobmaschiges Netz“, sagte Fachschuldirektor Bernd Eisenhardt. Rolf Baumann, Kaufmännischer Vorstand der Zieglerschen ergänzte: „Sonderschulen oder Kompetenzzentren stehen keinesfalls im Widerspruch zur UN-Behindertenrechtskonvention und werden auch künftig gebraucht.“

 

„Menschen mit Behinderungen finden in Baden-Württemberg gute Rahmenbedingungen vor“, antwortete Pit Niermann auf die Frage von Thomas Bareiß, was das Land Baden-Württemberg anders machen könne. Aber er wünsche sich eine „klare Bekenntnis zum Wunsch- und Wahlrecht.“ Denn wer wählen solle, wo und wie er leben wolle, müsse auch Wahlmöglichkeiten haben und zu Wahlmöglichkeiten gehören auch Spezialangebote. (Text und Bild: Katharina Stohr)

 

BU: Austausch mit Lehrerinnen und Lehrern der Heimsonderschule Haslachmühle: (3. v.l.) Pit Niermann, Schuldirektor, Christoph Arnegger, Kaufmännischer Geschäftsführer der Behindertenhilfe, Sven Lange, Fachlicher Geschäftsführer der Behindertenhilfe, Rudolf Köberle, MdL CDU, Daniel Jennerwein, Assistent Köberle, Patrick Bock, Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Horgenzell, Thomas Bareiß, MdB CDU, Bernd Eisenhardt, Fachschuldirektor,  Volker Restle, Bürgermeister Horgenzell.