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Wie eine Kirsche am Baum

08.01.2013 | von Catharina Schultheiß
BEM Interview Frau Loos Altenpflegerin
Ziehen an einem Strang: Swetlana Graf, Brigitte Loos und Ramona Aman

„Wie eine Kirsche am Baum" ist bei Brigitte Loos der Entschluss gereift, mit 53 Jahren noch einmal eine Ausbildung zu machen. Heute ist sie 57 Jahre alt und Fachkraft im Seniorenzentrum „Im Dorf" in Bempflingen.

Sie kann es bis heute kaum glauben, dass alles wie am Schnürchen geklappt hat. Nach langen Jahren Berufstätigkeit im kaufmännischen Bereich hatte sie sich immer wieder gefragt, ob das schon alles gewesen sein sollte. Dann informierte sie sich über die Ausbildung zur Altenpflege und tatsächlich standen ihr gleich alle Türen offen: Ausbildungsplatz, Berufsschule, eine schnelle Eingewöhnung ins Schülerdasein. „Ein wenig schmunzeln musste ich dann doch, als ich mein Zeugnis der Mittleren Reife von 1971 vorlegen musste", sagt Brigitte Loos und lächelt sanft. Anfangs wäre sie unsicher gewesen, was da in der Berufsschule auf sie zukommen würde, doch die Nervosität legte sich gleich am ersten Tag: die Mitschülerinnen und Mitschüler waren zwischen 17 und 54 Jahren alt und stammten aus 13 Nationen. Eine sehr unterschiedliche Zusammensetzung, die dann „richtig Spaß" gemacht habe. Ihr Alter war weder hier noch im Berufsalltag ein Thema.

Gesucht und gefunden

Nach ihrer Ausbildung ging sie zunächst zu einem ambulanten Dienst, bewarb sich aber nach einigen Monaten im Seniorenzentrum Im Dorf in Bempflingen, einem Pflegeheim der Zieglerschen. Hier hat sie gefunden, was sie gesucht hatte: die Umsetzung eigener Ideen, die Freiheit, Abläufe und vieles andere mitzugestalten sowie ein „zauberhaftes, offenes Team, das ich gar nicht mehr verlassen möchte." Auch habe sie eine gute Einarbeitung erfahren und sie schätzt die Ausstattung der Einrichtung.

Das Alter spielt keine Rolle

Mittlerweile ist sie im Demenzbereich tätig. Dieser Bereich mit seinen speziellen Herausforderungen ist ihr besonders ans Herz gewachsen. Sie ist überzeugt davon, dass man hier nur mit viel Einfühlungsvermögen tätig sein kann, das Alter aber egal ist. Denn demenzerkrankte Personen sind vielfach nur noch über ihre Gefühle erreichbar, daher ist eine sensible Betreuung die Grundlage für eine gelingende Beziehung. „Für eine ehemalige Ballerina habe ich ein Ballett-Poster vom Staatstheater besorgt, das sie nun bei sich hängen hat. Es gibt ihr wieder ein Stück ihrer Erinnerungen und positive Gefühle zurück", erzählt sie.

Vertrauen und Respekt

Nicht nur in diesem speziellen Bereich sondern generell in ihrer Arbeit in der Altenhilfe ist der Aufbau von Vertrauen und gegenseitigem Respekt unabdingbar. „Und zwar gegenüber allen Beteiligten: Bewohnern, Kollegen, Angehörigen, Ehrenamtlichen, Medizinern und anderen", zählt sie auf. Auch wenn ab und zu das eine oder andere Problem auftritt, im Seniorenzentrum „Im Dorf" Bempflingen ziehen alle am gleichen Strang, so dass „wir Schwierigkeiten gut meistern können." Respekt und Vertrauen in die Bewohnerinnen und Bewohner bedeuten auch, dieses Vertrauen immer wieder zurückzubekommen. Brigitte Loos schaut in strahlende Gesichter, wenn sie zu ihrer Gitarre greift, um ein Geburtstagsständchen vorzutragen. Und manch alltägliche Verrichtung im Umgang mit den Bewohnerinnen und Bewohnern geht auf einmal schneller als vorher: „Die Leute vertrauen uns einfach, weil wir ihnen so offen und vertrauensvoll entgegenkommen." So entsteht eine gute Gemeinschaft, die ein nach wie vor relativ selbstbestimmtes Leben im Heim befördert.

Ein Sonnenstrahl

Für diese Gemeinschaft aber auch nach außen möchte Brigitte Loos ein „Sonnenstrahl" sein, der die vielen positiven Seiten des Lebens und der Arbeit im Pflegeheim beleuchtet und hervorhebt - ganz egal, in welchem Alter man den Zugang zur Altenhilfe findet. Und: mutig müsse man für eine späte Ausbildung nicht sein, nur offen. Alles Weitere finde sich.