Titelbild


Pflege fair finanzieren

19.09.2013 | von Nicola Philipp
Pflege fair finanzieren
Setzen sich für eine faire Finanzierung der Pflege ein: Die Mitarbeitenden der Diakonie-Sozialstation Wilhelmsdorf
„Pflege fair finanzieren", diese Aussage steht auf den Wimpeln, die zurzeit an den Autos der Diakonie-Sozialstation Wilhelmsdorf befestigt sind. Denn die Diakonie-Sozialstation Wilhelmsdorf möchte, dass ihre Mitarbeitenden genügend Zeit haben für gute Pflege und Betreuung der pflegebedürftigen Menschen.

„Gute Pflege hat ihren Preis", sagt Pflegedienstleiterin Sabine Reif. Niemand will Pflege im Minutentakt. Niemand will Anfragen um Hilfe ablehnen, weil das Geld nicht reicht. Sabine Reif dazu: „Es gibt immer mehr pflegebedürftige Menschen, die wir gut versorgen möchten. Hierfür brauchen wir aber eine angemessene Bezahlung unserer Leistungen seitens der Kranken- und Pflegekassen. Wie sollen wir wirtschaftlich arbeiten können, wenn wir beispielsweise nur eine Leistung bezahlt bekommen, aber drei erbringen. Zeit für unsere Patienten haben wir schon lange nicht mehr. Pflegebedürftige Menschen haben es verdient, dass wir Pflegende ein offenes Ohr für sie haben. Die Bürokratie in der Pflege wird immer größer, wir müssen immer mehr dokumentieren. Diese Zeit wird uns ebenfalls nicht refinanziert und der Leidtragende ist der Patient."

Aber auch die Mitarbeitenden leiden, denn sie sehen ihre Arbeitsplätze in Gefahr. „Eine stetige Unterfinanzierung unserer Pflege gefährdet massiv unsere Arbeitsplätze", sagt Horst Mertens, Stellvertretender Pflegedienstleiter der Diakonie-Sozialstation Wilhelmsdorf. In der Diakonie gelten Tariflöhne, genau wie im öffentlichen Dienst. In Baden- Württemberg werden Pflegedienste weitgehend einheitlich von den Krankenkassen und Pflegekassen vergütet. Das heißt, Diakonie-Sozialstationen bieten trotz höherer Kosten Leistungen zum selben Preis an wie ein Dienstleister, der keine Tariflöhne bezahlt. In den letzten neun Jahren sind die Tariflöhne für Pflegekräfte um 17 Prozent gestiegen. In den Verhandlungen mit den Kassen konnte in diesem Zeitraum aber nur eine Erhöhung der Kosten für die Leistungen von insgesamt acht Prozent erreicht werden. Das bedeutet: Die Kosten der Diakonie-Sozialstationen werden nicht mehr voll ersetzt.

Weitere Infos auch auf unserem Fachforum unter "Aktuelle Aktionen" oder auf der Seite der Diakonie Württemberg.