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Förderverein ermöglicht Musiktherapie für Seniorenzentrum

28.08.2012 | von Marina Ilg u. Catharina Schultheiß
Musiktherapie im Pflegeheim
Bewohnerinnen des Gemeindepflegehauses Härten in Kusterdingen bei der Musiktherapie

Es ist Freitagnachmittag. Die Uhr zeigt viertel vor drei.  Alle wissen: in wenigen Minuten beginnt das Singen mit Herrn Grüning.

Etwa 15 Personen sitzen schon im Stuhlkreis. Pünktlich kommt der Musiktherapeut in die Cafeteria und begrüßt alle Anwesenden. „Er kennt uns alle mit Namen“, flüstert eine Dame bewundernd. Schon werden die ersten Liedblätter verteilt, altbekannte Lieder mit vielen Strophen: „Wenn ich ein Vöglein wär’“, „Sah ein Knab ein Röslein stehn“ und anderes.
Der Musiklehrer begleitet mit seiner Gitarre. Das nächste Liedblatt wird angekündigt und verteilt, und schon summen die ersten leise mit, dann eine Strophe nach den anderen. Da geschieht Erstaunliches: Ein betagter Bewohner kennt noch eine weitere Strophe und singt sie solo vor. Wieder wird ein Lied angekündigt. „Ha, des kennet mer!“, ruft’s sofort aus einer Ecke. Herr Grüning schlägt ein neues Lied vor. „Was halten Sie von dem?“, fragt er. Sofort erfolgt Zustimmung. Gelegentlich hört man eine zweite Stimme heraus, dann einen glockenreiche Sopran. Die erste halbe Stunde ist schnell vergangen.
Da kommt ein neuer Impuls: Der Therapeut öffnet seinen Instrumentenkoffer und verteilt die handlichen Schlagwerke und Rhythmusgeber. „Jetzt machen wir a capella weiter“, sagt Herr Grüning und stimmt das Lied „Das Wandern ist des Müllers Lust“ an. Die Instrumentalisten begleiten im Takt und haben sichtlich Freude dabei. Es herrscht eine gelöste Atmosphäre, bei der gelacht, gelobt und „gefrotzelt“ wird. Die dreiviertel Stunde ist vorüber. „Muss I denn, muss I denn zum Städtele hinaus“ macht den Abschluss.

Schon seit Februar diesen Jahres finanziert der Förderverein im Gemeindepflegehaus Härten dieses Angebot, denn es ist unbestritten, dass die Kraft der Musik nicht nur positive Erinnerungen weckt, sondern auch, dass Singen und Rhythmisieren in besonderer Weise belebend und beglückend auf betagte und demenzkranke Menschen wirkt.
Der Förderverein im GPH hat in seiner knapp 20-jährigen Geschichte stets Fördergelder für spezielle Aktivitäten wie die „Clowns im Dienst“, monatliche Konzerte, Mal- und Bastelarbeiten, künstlerische Ausstattung des Hauses, Kunstausstellungen und vieles mehr eingesetzt. Zudem stellen etwa 70 Ehrenamtliche regelmäßig ihre Kraft in den  Dienst des Hauses. So gelingt, was der Gründer des Fördervereins, Pfarrer i. R. Fritz Mybes als Motto vor 20 Jahren ausgerufen hat, mit Herz und Hand die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen „drinnen und draußen“ durch regelmäßige Kontakte zu pflegen und zu erhalten.