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Lebensperspektiven auch bei Demenz

28.11.2013 | von Nicola Philipp und Karl-Ernst Kreutter
WAN Demenzbereich
Für einen Lichtblick sorgt hier das gemeinsame Bemalen des Fensters auf dem Demenzbereich im Seniorenzentrum Wannweil.
Mitte November war es wieder soweit. Fast 40 Führungskräfte aus Pflegeheimen und ambulanten Diensten der Zieglerschen Altenhilfe trafen sich zum jährlichen Fachtag Ethik in der Praxis in der Evangelischen Akademie Bad Boll. Der Fachtag stand in diesem Jahr unter dem Thema Lebensqualität und Demenz. Ziel der Veranstaltung war, positive Denkanstöße für die Weiterarbeit am Thema zu vermitteln.

Die Referentin, Dr. Marion Bär vom Institut für Gerontologie der Universität Heidelberg referierte zum Thema „Lebensperspektiven bei Demenz". Sie stellt sich die Frage nach einer Lebensperspektive die trägt, auch wenn die Demenz fortschreitet. Es gibt jeden Tag Lichtblicke, vermittelbar durch Personen, Erinnerungen, Ziele, persönliche Dinge, die den „persönlichen Kern" stärken und Sinn stiften. Für jeden Demenzkranken, egal in welchem Stadium findet man solche bedeutsamen Alltagssituationen, die es dem Bewohner ermöglichen, Lebenssinn zu erfahren. Darum rät Marion Bär dazu, diese Momente festzuhalten und so den Perspektivenwechsel, weg von den Defiziten hin zu diesen positiv wahrnehmbaren Momenten zu ermöglichen. Vor allem ermutigte das Referat dazu, auch die Biografie von Dementen als zukunftsoffen bis zuletzt zu sehen.

Gruppenarbeit

Am Nachmittag setzten sich die Teilnehmer in Gruppenarbeiten mit verschiedenen praktischen Fragestellungen auseinander: dem Umgang mit Unruhe und Gefährdung bei Demenz, dem Umgang mit Ernährungsstörung, dem Umgang mit medizinischer Behandlung, dem Umgang mit Schuldgefühlen von Angehörigen und dem Umgang mit Patientenverfügung und Begleitung in der letzten Lebensphase. Im Plenum wurden die Ergebnisse der Arbeitsgruppen vorgestellt und Merkposten für die weitere Bearbeitung des Themas formuliert.

Fazit

Beim abschließenden Fazit der Veranstaltung lobte Marion Bär die Zieglersche Altenhilfe, da es „bei Ihnen bereits viele gute Dinge zum Thema Demenz gibt, wie zum Beispiel die Fallbesprechungen." Sie forderte die Mitarbeitenden auf, dies wertschätzen und ermutigte dazu, an der Weiterentwicklung der eigenen Ansätze unter Berücksichtigung der örtlichen Voraussetzungen weiterzuarbeiten und nicht jeden „Hype" mitzumachen. Eva-Maria Armbruster, Fachliche Geschäftsführerin der Zieglerschen Altenhilfe bedankte sich bei der Referentin. „Es wurde deutlich, dass wir bereits ein gutes fachliches Fundament durch systematische Mitarbeiterschulungen erarbeitet und gute Impulse für die Weiterentwicklung erhalten haben."

Bewertung

Darin waren sich auch die Teilnehmenden einig, die die Veranstaltung sehr positiv bewerteten und wertvolle und konkrete Impulse für die Umsetzung in der Praxis mitnahmen. Mehrere Führungskräfte schrieben in die Rückmeldung, dass sie „vermehrt den positiven Denkansatz in den Vordergrund stellen wollen" oder dass sie „mehr Fallbesprechungen und Teamgespräche über persönliche Entwicklung und Wohlbefinden des Bewohners umsetzen wollen, damit auch die Mitarbeitenden mehr Erfolge ihrer Arbeit sehen können."