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Geschenk fürs Seniorenzentrum: Kiste auf, los geht's

13.06.2012 | von Christof Schrade
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Hausleiterin Silvia Parusel-Emmendörfer (4. von rechts) freut sich über die Aktivierungsboxen, die die Schülerinnen und Schüler der Altenpflegeschule Friedrichshafen erdacht haben.

Pflegeheimbewohner haben viel Zeit. Die Mitarbeiterinnen haben oft viel zu wenig Zeit. Man kann das beklagen, man kann bessere Personalschlüssel fordern. Man kann aber auch kreativ aus der Situation, so wie sie ist, das Beste machen.

Wilhelmsdorf - Schülerinnen und Schüler der Altenpflegeschule des Diakonischen Instituts in Friedrichshafen haben jetzt im Seniorenzentrum Wilhelmsdorf gezeigt, wie das geht: Kiste auf - und los geht's!

Neun sogenannte „Aktivierungsboxen" haben sie mit viel Liebe und Sachverstand im Unterricht mit ihrer Lehrerin und Schulleiterin Doris Heldmaier hergestellt und dem Seniorenzentrum zum Geschenk gemacht. Heimleiterin Silvia Parusel-Emmendörfer und zahlreiche Seniorinnen und Senioren freuten sich sichtlich darüber.

Wie funktioniert nun so eine „Aktivierungsbox" und was kann man mit ihr anfangen? Oft verhindert die Zeitknappheit, dass Mitarbeiterinnen und MItarbeiter in Pflegeheimen Beschäftigungsangebote insbesondere für demenziell erkrankte Bewohner machen können. Die Aktivierungsbox hilft da sofort. Soll heute das Thema „Wald" zur Aktivierung genutzt werden? Kein Problem. Die Wald-Kiste senkt die Vorbereitungszeit auf null. Denn sie enthält schon alles, was man braucht. Schülerin Michaela Buchmüller holt die Kiste, öffnet den Deckel und holt Rindenstücke, Baumscheiben, Fotos von Waldtieren und Pilzen heraus und erklärt den Fragenkatalog zur geistigen Aktivierung. Die Fragen setzen meist in der Kindheit und Jugend der Bewohner an. Diese Epoche ist Demenz-Patienten oft sehr viel besser zugänglich als das Heute. „Mussten Sie als Kind auch in den Wald zum Holz sammeln?" Oh ja, sagt eine Bewohnerin, und sie habe da auch oft Angst gehabt als Kind. Die Schülerin weist auf die Wald-Lieder hin, die die Schüler auf eine CD gebrannt haben. Rinde fühlen, sich an Waldspaziergänge früher erinnern, die „Vogelhochzeit" oder den „Jäger aus Kurpfalz" singen - so kann man den Wald mit allen Sinnen erleben.

Und so geht die Vorstellung weiter. Audrey Omondi stellt die „Tierwelt-Kiste" vor, Kazan Hakan präsentiert das Thema „Nähen", Andrea Moelgen hat mit Mitschülerinnen eine Kiste zum Thema „Bodensee" gemacht.

Schulleiterin Doris Heldmaier hält die Methode der „Zehn-Minuten-Aktivierung" für hervorragend. „Man kann an das bei demenziell Erkrankten oft noch funktionierende Langzeitgedächtnis anknüpfen. Die Menschen erleben Erfolge, weil sie etwas wissen und dies auch sagen können. Sie werden nicht nur immer in ihren Defiziten gesehen. Die Vorbereitungszeit entfällt. Man kann einfach loslegen. Und zehn Minuten findet man auch an stressigen Tagen". Auch die Schülerinnen und Schüler hatten sichtlich Spaß bei der Herstellung ihrer Boxen. Es sei wichtig, so Heldmaier, dass „auch mal die Schule etwas für die Praxis macht".

Silvia Parusel-Emmendörfer nutzte die Gelegenheit, um die Schülerinnen und Schüler gleich für das neue Seniorenzentrum zu interessieren, das 2014 in unmittelbarer Nachbarschaft in Betrieb gehen wird. „Wir sind ein Super-Team, haben eine tolle Atmosphäre und brauchen im neuen Seniorenzentrum viele motivierte Fachkräfte, denn wir werden künftig 44 statt bisher 27 Plätze haben, außerdem 15 Plätze in der Tagespflege. Und wir werden genügend Platz für die Zehn-Minuten-Aktivierung haben", warb die Heimleiterin für das neue Haus.