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Gewaltprävention muss gelernt sein

07.02.2013 | von Nicola Philipp
Faust

„Gewalt im Pflegeheim". Bei dieser Schlagzeile denkt jeder an die Misshandlung von alten Menschen durch die betreuenden Personen. Jedoch zeigen Studien, dass Gewalt auch in die andere Richtung geht, dass Pflegebedürftige manchmal ihre Pflegerinnen und Pfleger angreifen.

Ob verbal oder körperlich - Gewalt hat viele Formen. „Gewalt ist ein menschliches Phänomen, welches uns täglich in vielfältigster Form begegnen kann. Jeder Mensch trägt Gewaltpotentiale in sich, die durch das persönliche und berufliche Umfeld aufrecht erhalten, verstärkt oder verringert werden können. Besonders im Umgang mit älteren, pflegebedürftigen und (demenz-)kranken Menschen können diese akzentuierter auftreten, da zum Teil sehr extreme Lebenswelten, Ängste, Gefühle der Hilflosigkeit, Wünsche und Erwartungen aufeinandertreffen." So steht es im Qualitätsmanagement-Handbuch der Zieglerschen Altenhilfe.

Die Zieglersche Altenhilfe befasst sich seit 2011 intensiv mit dem Thema Gewaltprävention zwischen Mitarbeitern und Kunden und nimmt dabei beide Richtungen von Aggression und Gewalt in den Blick. „Wir haben das Thema Gewaltprävention zur Chefsache gemacht", sagt Eva-Maria Armbruster, Fachliche Geschäftsführerin. „Dabei geht es uns zu allererst um den Schutz der Pflegebedürftigen, die eine besonders verletzbare Gruppe sind. Genauso wollen wir aber auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schützen. Also setzen wir uns mit dem Thema auseinander und üben uns in der Prävention von Gewalt. Auf diese Weise können Eskalationen vermieden werden und davon haben dann alle einen Nutzen." Darum haben Geschäftsführung und Führungskräfte im November 2012 den „Leitfaden Gewaltprävention für Mitarbeitende der Altenhilfe der Zieglerschen" verabschiedet. Dieser wird nun flächendeckend verteilt und Schritt für Schritt in die Teamsitzungen der Pflegekräfte eingebracht. Denn nur im Team ist es möglich, Gewalt im Arbeitsalltag zu erkennen, zu thematisieren und zu vermeiden.

„Inzwischen haben wir auch damit begonnen, Kurzschulungen mit Mitarbeitenden in der Pflege unter Leitung von Aloisia Brenner vom Diakonischen Institut durchzuführen. Weitere Schulungstermine für 2013 stehen fest", erläutert Karl-Ernst Kreutter, der für die Fortbildungsplanung der Zieglerschen Altenhilfe zuständig ist. In den Schulungen für Pflegemitarbeitende geht es um die verschiedenen Formen von Aggression und Gewalt, es wird erklärt, wie Gewalt eskaliert, was vorbeugend getan werden kann und die Teilnehmenden werden dazu angeleitet, ihre eigene Haltung zu reflektieren. Viele anschauliche Praxisbeispiele sensibilisieren die Teilnehmenden und zeigen ihnen Lösungen auf, wie sie mit belastenden Erlebnissen umgehen können.

Wichtig ist der Geschäftsführung der Zieglerschen Altenhilfe auch, dass sich Mitarbeitende, die sich mit einem unbegründeten Gewaltvorwurf konfrontiert sehen, so schnell wie möglich an ihre Führungskraft wenden. „Denn nur so können wir ihnen gezielt helfen und vor übler Nachrede schützen", sagt Eva-Maria Armbruster.