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Die Pflege lässt sich nicht mehr vertrösten

12.09.2013 | von Nicola Philipp
Pflegestammtisch Schorndorf
Folgten aufmerksam den Ausführungen der diakonischen Pflegeexperten der Zieglerschen Altenhilfe und der Evangelischen Heimstiftung: Jochen Hausmann MdL (FDP), Andrea Sieber (Die Grünen) und Moderator Pfarrer Thomas Stürmer vom Kreisdiakonieverband
„Die Pflege lässt sich nicht mehr vertrösten! Wie kommen wir zu Taten und zu wirksamen Veränderungen?", fragte Eva-Maria Armbruster, Fachliche Geschäftsführerin der Zieglerschen Altenhilfe die anwesenden Politiker beim Pflegepolitischen Stammtisch in Schorndorf am vergangenen Montag, den fünfzig Bürger interessiert verfolgten.

Die diakonischen Träger in Schorndorf hatten gemeinsam zum pflegepolitischen Stammtisch geladen, um den Bundestagskandidaten Alexander Bauer (SPD), Andrea Sieber (Die Grünen), Dr. Joachim Pfeiffer (CDU), Udo Rauhut (Die Linke) und dem Landtagsabgeordneten Jochen Hausmann (FDP) noch vor der Wahl wichtige Botschaften mit auf den Weg zu geben.

Im ganzen Land laufen Aktivitäten der Diakonie, um den enormen Druck der Pflegebranche an die Öffentlichkeit zu bringen, denn der Pflege fehlen Zeit und Geld. „Wir wollen gut pflegen, wir wollen unsere Mitarbeitenden gut bezahlen und wir wollen gute Arbeitsbedingungen bieten. Dazu brauchen wir eine Pflegereform, die ihren Namen auch verdient hat", lautete die klare Botschaft von Armbruster. Diese Forderung wurde auch von den anwesenden Pflegedienstleitungen der ambulanten und stationären Pflege unterstrichen. Der Geschäftsführer der Diakoniestation Schorndorf und Umgebung, Heinrich Sprenger, forderte die Politiker dazu auf, sich darum zu kümmern, dass die chronische Unterfinanzierung der ambulanten Pflege ein Ende nimmt. Die Schere zwischen Kosten und Finanzierung sei stetig auseinandergegangen.

Nach Berechnungen des Diakonischen Werks betrugen die Lohnsteigerungen in der Zeit von 2002 bis 2011 17%, die Vergütungserhöhungen der Kassen betrugen im gleichen Zeitraum lediglich 8%. Auch in der stationären Pflege gilt, dass der größere Aufwand, der durch den veränderten Hilfebedarf der heutigen Pflegeheimbewohner bedingt ist, nicht berücksichtig ist. Dazu kommen gestiegene bürokratische Anforderungen und vermehrte Kontrollen, die die Zeit der Mitarbeitenden der Pflege binden. Diese Zeit steht den Bewohnerinnen und Bewohnern nicht mehr als Betreuungszeit zur Verfügung. „Wir müssen den Pflegekräften die Zeit geben, die sie für eine gute Pflege brauchen", forderte Armbruster. Dafür müssten alle mehr Geld in das System der Kranken- und Pflegeversicherung geben. „Seit 1995, also vor 18 Jahren, als die Pflegeversicherung eingeführt wurde, hat sich in der Finanzierung der Pflege, außer im Aufbau von immer neuen Regeln, Verordnungen und Kontrollinstanzen nichts Wesentliches getan", bekräftigte auch Diakon Ralf Oldendorf, Prokurist der Evangelischen Heimstiftung. Die zentrale Forderung der Heimstiftung sei also, „die Leistungen der Pflegeversicherung schrittweise bis 2020 zu verdoppeln, um überfällige Verbesserungen in der Pflege zu ermöglichen."

Die anwesenden Politiker stellten in ihren Statements die parteipolitischen Ziele dar und gingen auf ihre persönlichen Erfahrungen aus dem Bereich Pflege ein.

Deutlich wurde an diesem Abend, dass die Träger von Pflegeeinrichtungen, die Bewohner, Angehörigen und Mitarbeitenden entschlossen sind, sich bei der Politik Gehör zu verschaffen, bis die Probleme der Pflege gelöst sind.

Weitere Hintergrundinformationen zum Pflegepolitischen Stammtisch finden Sie in unserem Fachforum.