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15.03.2010

Kommunikation führt Menschen zusammen

Fachtag zum Thema "Unterstützte Kommunikation" kommt gut an


Dorothea Christ von der Sonderpädagogischen Beratungsstelle für Frühförderung und Unterstützte Kommunikation der Haslachmühle (links) erläutert den Besuchern auf dem "Marktplatz", welche Hilfsmittel es für Menschen mit Hör-Sprach- und zusätzlich geistiger Behinderung derzeit gibt. (Foto: apm)

Die Behindertenhilfe der Zieglerschen und das Zentrum für Unterstützte Kommunikation an der Katholischen Fachhochschule Freiburg veranstalteten am vergangenen Freitag in Wilhelmsdorf einen sehr gut besuchten Fachtag für „Unterstützte Kommunikation in der Erwachsenenwelt“. Die Behindertenhilfe der Zieglerschen ist eine Spezialeinrichtung für Menschen mit Hör-Sprach- und zusätzlich geistiger Behinderung. Der Fachtag bot viele Impulse, um mit Menschen, die nicht oder kaum sprechen können und behindert sind, in Kontakt zu treten. Der erste Referent, Professor Dr. Andreas Fröhlich, früher Professor der Sonderpädagogik an der Universität Koblenz-Landau und Begründer des Konzeptes der Basalen Kommunikation, erläuterte die ursprüngliche Bedeutung von Kommunikation: nämlich Gemeinsamkeit herzustellen. „Kommunikation ist Informationsaustausch zur Regelung einer Kooperation“, führte Fröhlich aus. Kommunikation werde oft mit Sprache gleichgesetzt und diese als menschliches Privileg gesehen. „Bei Menschen ist Sprache ein Alleinstellungsmerkmal“, hob der Referent hervor. Sprache sei beim Menschen zum „Kulturträger Nummer eins“ geworden und sogar die Gefühlswelt sei- beispielsweise in Form von Liedtexten oder Gedichten- versprachlicht. „Hieraus wird deutlich, wie Sprachlosigkeit Menschen ausschließt“, unterstrich er. Gegenüber schwerbehinderten Menschen mit Hör-Sprachbehinderungen müsse daher überlegt werden, wie bestehende Barrieren überwunden werden können. Denn „tief in uns ist ein Bedürfnis, auf andere zuzugehen“- auch in einem schwerstbehinderten Menschen. Angeschaut und als möglicher Kommunikationspartner wahrgenommen zu werden, drücke gegenseitige Wertschätzung aus. „Das ist etwas, wonach wir süchtig sind“, bekräftigte der Professor. Sein Aufruf lautete daher abschließend, Menschen mit Behinderung zu befähigen, diese wechselseitige Wertschätzung auszudrücken. Wie diese Hilfe zur Befähigung aussehen kann, dazu gab es Anregungen von Kerstin Rüster, Beraterin für Unterstützte Kommunikation der Evangelischen Stiftung Neuerkerode. In Neuerkerode bei Braunschweig leben und arbeiten erwachsene Menschen mit geistiger, körperlicher sowie seelisch-psychischer Beeinträchtigung in einem Dorf zusammen. „Für die Förderung von Kindern und Jugendlichen wird mittlerweile viel getan“, freut sich die Referentin. Das Problem sei, dass diese Förderung oft im Erwachsenenbereich meist nicht fortgeführt werde. „Auf einmal bin ich erwachsen und alles ist anders“, schilderte sie die Konfrontation eines Menschen mit Behinderung mit der Welt nach dem Schulbesuch. Das Erlernen der Gebärdensprache sei nur ein Baustein der Kommunikationsförderung. Mit praktischen Beispielen aus ihrem eigenen Arbeitsbereich zeigte Rüster den Zuhörern, wie hör-sprachbehinderten Menschen mit zusätzlich geistiger Behinderung mit einfachen Methoden Orientierung und Sicherheit gegeben werden kann, und diese befähigt werden, mit anderen zu kommunizieren. Bebilderungen und Symbole spielten dabei eine zentrale Rolle, wie beispielsweise die Symbolisierung der Wochentage mit einer bestimmten Farbe und einem speziellen Geruch für jeden Tag. „Es sind Kleinigkeiten, an die wir denken können und die schnell gemacht sind“, unterstrich Rüster die Unkompliziertheit der Hilfestellungen. In den anschließenden Foren wurden die Themen des Vormittags in Arbeitsgruppen intensiv weiterbehandelt, Erfahrungen ausgetauscht und praktische Tipps zur Umsetzung weitergegeben. Der aufgebaute „Marktplatz“ bot eine breite Palette an Hilfsmitteln und Literatur zum Thema „Unterstützte Kommunikation“.

apm

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