Titelbild

26.07.2010

Grundschüler düsen ins Weltall

Bundeskunstpreisträgerin "Franzi" verbindet Erwachsene aus der Behindertenhilfe der Zieglerschen in Wilhelmsdorf und Häfler Grundschüler


Franziska Fiedler (Mitte) und Ruth Link (rechts) von der Malwerkstatt der Behindertenhilfe malen zusammen mit Grundschülern der Schreienesch-Schule, hier auf dem Bild Selin Sevinc (links). Foto: Katharina Stohr

26 Grundschul-Astronauten der Klasse 2c der Schreienesch-Schule in Friedrichshafen haben im Rahmen einer Kunstwoche neue Welten im selbst kreierten Weltall entdeckt. Was als Kunstprojekt ausgeschrieben war, entstand durch eine galaktische Ereigniskette, begonnen mit einem Bundeskunstpreis für Menschen mit Behinderungen.
 

„Franzi" verwandelt Schule in Weltall


Astronautin Semiha sitzt in einem weißen Vlies-Schutzanzug auf dem Boden und zerknüllt Packpapier: „Das wird der Kopf eines Astronauten", erklärt die junge Künstlerin, neben der schon eine große Pappmaché-Puppe liegt. Weitere 25 Grundschüler wuseln abwechselnd durch den Kunstraum der Hauptschule und pinseln eifrig Raketen und Astronauten auf Papier. Mittendrin stehen zwei erwachsene Frauen an einem Tisch und malen mit bedächtigen Zügen, ab und zu gestikulieren die beiden mit den Kindern: Franziska Fiedler und Ruth Link, beide Bewohnerinnen der Behindertenhilfe der Zieglerschen und Künstlerinnen der dortigen Malwerkstatt, sind zu Besuch bei den Häfler Grundschülern.

„Reise ins All" nennt sich die Kunstwoche der Klasse 2c, ausgetüftelt von Silke Leopold, der Leiterin der Malwerkstatt der Behindertenhilfe der Zieglerschen, einer Einrichtung für Menschen mit Hör-Sprach- und zusätzlicher geistiger Behinderung, und Klassenlehrerin Ramona Scholl. Die Verantwortliche für dieses außerirdische Projekt thront hoch oben auf einem Schrank des Kunstraums und schaut dem bunten Treiben gelassen zu: „Franzi", eine bunte Skulptur, geschaffen von Franziska Fiedler, die dafür im Mai 2009 den Bundeskunstpreis für Menschen mit Behinderungen abräumte und heute mit den Kindern malt.


Kunst schafft Brücken zwischen Menschen
 

Vor Weihnachten hatten die Grundschüler „Franzi" bei einer Verlosung der Schwäbischen Zeitung gewonnen, zuvor präsentierte sich die Skulptur auf dem Stand des Förderkreises Behindertenhilfe der Zieglerschen beim Weihnachtsmarkt in Friedrichshafen. „Kunst ist die Brücke zu sich selbst und zum Anderen", sagt Silke Leopold, die gleich nach der Verlosung Kontakt zu Ramona Scholl aufgenommen hatte. Schnell entstand die Idee, Kunst und das Thema Behinderung in die Klasse zu tragen und Grundschüler und Malwerkstatt durch dieses Projekt zu vermischen. „Wir machen hier Aktionskunst", sagt Silke Leopold, „auch der Schwächste soll erleben, dass er so sein darf, wie er ist".

„Die erste Begegnung zwischen meinen Schülern und unseren beiden Besucherinnen aus der Behindertenhilfe der Zieglerschen war gigantisch", sagt Ramona Scholl. Mit einem speziellen Weltraumlied lernten die Schüler wesentliche Gebärden, um sich mit den beiden Frauen unterhalten zu können. Der integrative Charakter war es denn auch, der den Förderkreis Behindertenhilfe veranlasste, das Projekt mit zu finanzieren. Außerdem ermöglichten die Behindertenhilfe der Zieglerschen, die Schreienesch-Schule, der Förderverein der Schule und die Schüler mit Materialkostenbeiträgen die „Reise ins All".

Katharina Stohr

Zurück