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18.02.2011 - Wilhelmsdorf

Rundes Leder rollt zu den Special Olympics

Fußball-Qualifikationsturnier in Wilhelmsdorf


Die Sportler der Sportkooperation TSG Wilhelmsdorf/Behindertenhilfe der Zieglerschen freuen sich über den tollen Erfolg der Mühlekicker (Foto: apm).

Das war mal wieder ein erfolgreiches Wochenende für die „Mühlekicker“ der Sportkooperation TSG Wilhelmsdorf/Die Zieglerschen. Die Mannschaft für Sportler mit Behinderungen war erst im vorigen Jahr beim Qualifikationsturnier für die Special Olympics in die Kategorie B aufgestiegen und holte dort am vergangenen Samstag den ersten Platz. Das bedeutet nicht nur den Aufstieg in die Kategorie A, sondern auch ein Ticket zum Landesfinale am 9. April in Karlsruhe. Weiterhin qualifiziert haben sich Mariaberg 1 (Turniersieger Kategorie A) und Lokomotive Hegenberg1, TSG Reutlingen (Kategorie B), sowie Pfingstweid und FC Rosenharz (Kategorie C). Bereits zum zweiten Mal wurde das Hallenfußball-Qualifikationsturnier für Süd-Württemberg in der Riedhalle und der Rotach-Halle in Wilhelmsdorf durchgeführt. Dies auch deshalb, weil nicht nur die sportliche Infrastruktur hier hervorragend ist, auch an Unterstützung durch Vereine und Institutionen fehlt es nicht. Was die zahlreichen Zuschauer dort erlebten, das war Fußball voller Begeisterung und Dramatik. Kein langweiliges Ballgeschiebe, sondern Action pur. Und dass da Freude und Tränen oft nahe beieinander lagen, das liegt in der Natur der Sache. Die Special Olympics sind ein Sportwettbewerb für Menschen mit einer geistigen oder einer Mehrfachbehinderung. Unter dem Motto „In jedem von uns steckt ein Held“ werden die Athletinnen und Athleten mit geistiger Behinderung „mutig ihr Bestes geben“- so heißt es im Eid der Special Olympics. Und dass das nicht nur eine Floskel ist, das war auch am Samstag unübersehbar. Zwar ging man mit großem Ehrgeiz und Körpereinsatz zur Sache, doch Fairness hatte Vorrang. Organisator Heiner Stockmayer stand mit zufriedenem Gesicht am Spielfeld. Die Freude über das gelungene Turnier war ihm anzusehen. Einen großen Anteil an der guten Stimmung hatte sicher auch Helge Afflenbach, der als „Stadionsprecher“ auch jedem großen Club Ehre machen würde. Er informierte zwischendurch immer wieder über aktuelle Spielstände in der Bundesliga. 26 Mannschaften mit über 200 Kickerinnen und Kickern waren gekommen. Ein neuer Teilnehmerrekord, der deutlich macht, dass der Behindertensport immer mehr an Bedeutung gewinnt. Das bestätigte auch Jörg Dittwar. Der ehemalige Fußballprofi mit Trainerlizenz ist seit April 2009 Bundestrainer der Fußballer mit intellektueller Beeinträchtigung innerhalb des Deutschen Behindertensportbundes. Er war nach Wilhelmsdorf gekommen, um die Kicker unter die Lupe zu nehmen. Der „Jogi Löw“ der Behindertenfußballer ist ständig auf der Suche nach Talenten für die Nationalmannschaft. Die Vorgabe ist klar: Wer das Nationaltrikot tragen will, der muss über 16 Jahre alt sein und einen Intelligenzquotienten von unter 75 haben – und viel Spaß am Kampf mit dem runden Leder. „Leider haben wir nicht die große Unterstützung, wie sie die nichtbehinderten Kicker genießen“, bedauert Dittwar. Da müsse man noch viel Überzeugungsarbeit leisten. Problematisch ist für ihn auch, dass er die Nationalmannschaft nur vor großen Turnieren einmal im Monat trainieren kann. Sonst sind die Abstände noch größer. „Keine einfache Sache“, sagt er. Aber eine, die ihm offensichtlich viel Spaß macht. Im Mai will er zu einem „Sichtungstag“ nochmals nach Wilhelmdorf kommen. Man darf gespannt sein, ob sich danach neue Talente das Nationaltrikot überziehen dürfen.

apm

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