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17.09.2009

Malwerkstatt präsentiert Fahrzeuge in Sigmaringen

21. Behindertentage im Alten Schlachthof


Viel Spaß bei seiner Arbeit hatte Karl Gindele, einer der Wilhelmsdorfer Künstler. Foto: Petra Steinhart-Flöss

Ausdrucksstarke Bilder in verschiedenen Techniken und Größen und sogar ein kleiner Trickfilm waren die Ergebnisse der 21. „Behindertentage“ in den Ateliers des Alten Schlachthofs in Sigmaringen. Eine Woche lang ließen 19 Künstler aus der Region ihrer Kreativität freien Raum. Mit dabei waren auch 7 Künstler aus der Malwerkstatt der Behindertenhilfe der Zieglerschen in Wilhelmsdorf.

Impuls-Erlebnisse zum Start

 
Zusammen mit ihrer Kunst- und Kreativpädagogin Silke Leopold, die die Malwerkstatt der Behindertenhilfe leitet, kamen die Künstler aus Wilhelmsdorf jeden Morgen zum gemeinsamen Arbeiten nach Sigmaringen. Unter dem Motto „Fahrzeuge“ standen vormittags Impuls-Erlebnisse auf dem Plan, die das Thema vermittelbar und erlebbar machen sollten. Dabei weckte der Blick unter die Motorhauben der Fahrzeuge beim Besuch eines Autohauses und des Zündapp-Museums die Begeisterung der Künstler. Nachmittags wurde fleißig gezeichnet und gewerkelt. Die Möglichkeit, die Zeichenbretter direkt zwischen Traktoren, Motorrädern und eigenen Fahrzeugen auszupacken, wurde rege genutzt. „Vor allem unsere männlichen Teilnehmer waren sichtlich begeistert“, erzählt Silke Leopold. Fasziniert und hoch konzentriert arbeiteten die Künstler an ihren Werken, jeder in seinem eigenen Stil. „Für unsere Bewohner ist es etwas ganz Besonderes, abseits des Alltags erlebbare und vielleicht sogar abenteuerliche Impulse zu erhalten, die dann künstlerisch umgesetzt werden können“, freut sich Silke Leopold.

 

Seit 21 Jahren dabei

 
Die Künstler aus Wilhelmsdorf beteiligen sich bereits seit Projektbeginn vor 21 Jahren an den Behindertentagen in Sigmaringen. Daneben lassen sie sich auch regelmäßig durch Exkursionen ins In- und Ausland inspirieren. „Wir versuchen, den Menschen einen Rahmen zu bieten, in dem sich eine authentische individuelle Bildsprache entwickeln kann. Das Schöne an der Kunst ist, dass es egal ist, ob jemand behindert ist oder nicht. Behinderte Menschen sind lediglich darauf angewiesen, dass ihnen ein für sie passender Rahmen und die nötige ergänzende Assistenz zur Verfügung gestellt werden“, sagt Silke Leopold. Besonders freue sie sich, wenn sie in den Werken ihrer Künstler bei genauerem Hinsehen eine Form- und Sprachenvielfalt entdecken könne, die im normalen Alltag oft nicht erlebbar sei.  Denn einige der Künstler sind infolge ihrer Hör-Sprach- und zusätzlichen geistigen Behinderung nicht in der Lage, ihren Empfindungen, Wünschen und  Absichten eine Form des direkten Ausdrucks zu verleihen.

Am vergangenen Sonntag wurde im Alten Schlachthof in Sigmaringen eine Ausstellung eröffnet, bei der alle während der Behindertentage entstandenen Werke präsentiert werden. Sie ist noch bis zum 23. September täglich von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Annette Scherer

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