Titelbild

07.12.2010

Happy Birthday Malwerkstatt!

Rosen und riesige Geburtstagstorte zum 25-jährigen Jubiläum


Und jetzt heißt es: auspusten! Künstler der zur Zieglerschen Behindertenhilfe gehörenden Malwerkstatt blasen die Kerzen auf der dreistöckigen Geburtstagstorte aus. (Foto: Annette Scherer)

Mit einer dreistöckigen Geburtstagstorte und einer Rose für jeden Künstler hat die Behindertenhilfe der Zieglerschen, eine Einrichtung für Menschen mit Hör-Sprach- und zusätzlicher geistiger Behinderung, das 25-jährige Jubiläum ihrer Malwerkstatt gefeiert. Einen Extradank von Sven Lange, dem Fachlichen Geschäftsführer der Behindertenhilfe, gab’s für Silke Leopold, die Leiterin der Malwerkstatt, ihre Kollegin Susanne Schack sowie für die früheren Leiterinnen und Leiter der Malwerkstatt.

Den Grundstein für die Malwerkstatt hat im Jahr 1985 die bei der Geburtstagsfeier ebenfalls anwesende Künstlerin Christine Fausel gelegt. Zusammen mit einer Gruppe erwachsener Menschen mit geistiger Behinderung gestaltete sie eine Gedenktafel für 18 durch den NS-Massenmord umgekommene Heimbewohner. Die dabei entdeckten vielfältigen Möglichkeiten des malerischen Ausdrucks der einzelnen Betreuten motivierten die Künstlerin damals zur Gründung eines „Malertreffens“. Seit 15 Jahren wird die Malwerkstatt der Zieglerschen Behindertenhilfe von Silke Leopold, ausgebildete Interdisziplinäre Kunsttherapeutin, Kreativpädagogin und freie Künstlerin, geleitet. Etwa 40 Künstler von 20-85 Jahren treffen sich samstags in Kleingruppen und lassen ihrer Kreativität freien Lauf. In den Ferienzeiten gibt es ein offenes Ateliertreffen, zwischendurch Projekttage und Projektwochen. „Im Laufe der Jahre sind bei unseren Künstlern beachtliche Begabungen offenkundig geworden“, freut sich Silke Leopold. Kein Wunder, dass sie mit ihren Arbeiten auch schon zahlreiche Preise gewonnen haben- unter anderem bereits mehrfach den Bundes-Kunstpreis für Menschen mit Behinderung sowie den Handicap-Kunstpreis Baden-Württemberg. Zahlreiche Kunstwerke können auch käuflich erworben werden und hängen in Arztpraxen, Büros und anderen öffentlichen Räumen aus. Einige der Künstler sind schon seit 25 Jahren dabei und haben sich zu Spezialisten und selbstbewussten Künstlerinnen und Künstlern entwickelt. Denn: Jeder darf selbst entscheiden, welches Thema er wann und in welcher Technik bearbeitet. „Wir müssen für unsere Künstler einen Rahmen schaffen, damit sie ihre eigenen Nischen finden können und ihnen schöpferisches Arbeiten ermöglicht wird“, erklärt Silke Leopold. Oft beginne dies schon damit, den richtigen Arbeitsplatz für jeden Künstler zu entdecken einer arbeite beispielsweise lieber im Abseits, ein anderer lieber Mittendrin, einer sucht stehend das Licht, der andere den spannungsvollen Kontakt zum anderen. Eine Laudatio auf die „fleißigsten und konzentriertesten Künstler“ und die „besondere familiäre Atmosphäre der Malwerkstatt“ hielt Bernhard Maier, Vorstand der „Ateliers im Alten Schlachthof e.V.“ in Sigmaringen und Kurator der Sigmaringer Kunsttage, an denen sich die Wilhelmsdorfer Künstler regelmäßig beteiligen. Er erklärte, der Grund für die Erfolge der Wilhelmsdorfer Künstler liege zum einen in der Ernsthaftigkeit und dem Engagement der Künstler und in der Kontinuität bei der Arbeit, aber nicht zuletzt auch in der Professionalität der Werkstattleitung. Als Geburtstagsgeschenk hatte er für die Künstler einen Koffer voller Farben dabei, der von den Beschenkten freudig in Empfang genommen wurde.

Annette Scherer

Zurück