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12.07.2010

Gemeinsam ins Ziel

Sport, Spaß und Lachen beim 20. Special-Olympics-Triathlon in der Haslachmühle


Auf los geht's los: die Teilnehmer des 20. Mühle-Triathlons kurz nach dem Startschuss auf dem Weg zum Hasenweiler See. Foto: Katharina Stohr

114 Menschen mit geistiger Behinderung haben in der vergangenen Woche den 20. Haslachmühle-Triathlon gemeistert. Nachhaltige Freude der Teilnehmer war auch in diesem Jahr garantiert. Ausgerichtet wurde der Event von der Heimsonderschule Haslachmühle, die zur Behindertenhilfe der Zieglerschen gehört, und der TSG Wilhelmsdorf.

Teilnehmer flitzt in nur 15:15 Minuten durch den Wettbewerb


Mit hochrotem Kopf und freudestrahlend rennt Anja in der sommerlichen Hitze die letzten Meter Richtung Ziel. Ihre Lehrerin spurtet nebenher und feuert sie an. Im Ziel jubeln Schüler, freiwillige Helfer und Besucher. Anja stürmt durch die Menge und fällt ihrer wartenden Mutter lachend in die Arme. Soeben hat die Zwanzigjährige den Haslachmühle-Triathlon absolviert.

Wie Anja, haben sich auch die anderen Teilnehmer mit geistiger Behinderung im Alter von neun bis 54 Jahren begeistert in die sportlichen Herausforderungen gestürzt: 40 Meter Schwimmen durch den Hasenweiler See, fünf Kilometer Radpedale treten und die letzten 600 Meter bis zur Haslachmühle laufen – und das möglichst schnell. „Man muss sich einmal vorstellen, diese Strecken selbst in 15:15 Minuten zurückzulegen“, kommentiert Lehrer und Mitorganisator Volker Lange die Bestzeit eines Triathleten. „Und dann übertragen Sie diese Vorstellung auf Menschen mit Behinderung“. 

Gymnasiasten unterstützen Schüler mit Behinderung

Doch statt sportlich-verbissenen Leistungsdrucks finden sich Spaß und Miteinander bei Einheimischen und teilnehmenden Gästen, die bis von Heilbronn, Reutlingen und Neckarsulm angereist waren: „Strahlende Gesichter, auch wenn es am Schluss noch Mädchen gab, die alle 15 Meter stehen blieben, dann aber die letzte Kurve auch noch gekriegt haben und nachher wieder lachen konnten“, sagt der Kooperationsbeauftragte des Staatlichen Schulamtes Markdorf, Josef Schnitzler, der am Ende den Siegern die Preise überreichte. Viele der Teilnehmer wurden während der letzten Meter Laufstrecke bis zum Ziel von anderen Sportlern oder Helfern begleitet und zum Durchhalten motiviert. 

Neu aufgenommen in diesem Jahr wurde der unified-Gedanke: Fünf Gymnasiasten aus Wihelmsdorf bildeten mit je einem Schüler der Haslachmühle-Außenklassen sogenannte Partner-Athleten-Paare - die Gymnasiasten starteten dabei eine Viertelstunde später als die Athleten mit geistiger Behinderung, beide Zeiten wurden am Ende zusammen gerechnet. „Die werden meine Schüler dann überholen“ schätzt Christine Feyrer, bevor es los geht. Die Fachlehrerin für Sonderpädagogik trainiert mit ihrer Klasse seit Wochen und rechnet durch die Motivation und Unterstützung der unified-Partner mit guten Chancen für ihre Schützlinge.

Am Ende siegen alle


Johanna, Gymnasiastin in Wilhelmsdorf, steigt nach dem Triathlon mit Medaille und Urkunde vom Siegerpodest herunter. Sie war Anjas Partnerin und beschreibt ihre Rolle als schöne und gute Erfahrung - auch wenn sie gefordert wurde: „Es war schon ein bisschen weit, aber es war toll“. Lehrer Gallus Reichle, der den Triathlon vor 20 Jahren mitbegründet hat und im Zieleinlauf auf die Stoppuhr drückt, erklärt: „Jeder, der hier am Ziel ankommt, ist Sieger.“ Und Fachschuldirektor Bernd Eisenhardt bemerkt: „Wenn es so ist wie letztes Jahr und die neunzehn Mal vorher, dann sehen wir hier noch tagelang ganz viele Menschen mit Medaillen um den Hals auf dem Gelände herum marschieren.“

Katharina Stohr

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