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20.10.2011

Haslachmühle-Schüler trainieren mit Daniel Unger

Triathlonweltmeister gibt gute Tipps


Triathlonweltmeister Daniel Unger aus Bad Saulgau gab den Schülern der Heimsonderschule Haslachmühle viele gute Tipps mit auf den Weg. (Foto: Jürgen Schmale)

Trainieren mit einem Profi aus dem Hochleistungssport? Diese Möglichkeit hatten jetzt Nachwuchssportler aus der Heimsonderschule Haslachmühle, einer Einrichtung der Zieglerschen Behindertenhilfe für Kinder mit Hör-Sprach- und zusätzlich geistiger Behinderung. Triathlonweltmeister Daniel Unger aus Bad Saulgau nahm sich einen ganzen Vormittag Zeit, um Kontakte der besonderen Art zu knüpfen.

Im Vorfeld hatte ihm Professor Dr. Harald Rau, der Vorstandsvorsitzende der Zieglerschen, eine E-Mail geschrieben, ob er nicht in der Haslachmühle für die zweite Hälfte der Saison etwas Motivation tanken und ein paar neue Eindrücke mitnehmen wolle. „Das ist voll gelungen“, sagt der Triathlet. „Es hat vielleicht sogar etwas mehr Spaß gemacht als das, was bei mir der Alltag ist.“ Der Besuch in der Haslachmühle sei wie ein Ausflug in eine andere Welt gewesen. „Aber ich glaube, das braucht man ab und zu, damit man wieder geerdet wird“, macht Unger nachdenklich deutlich. Es gehe nicht immer nur um Platz 1,2 oder 3. „Es geht auch mal was in die Hose und dann muss ich sehen, dass ich eigentlich alles habe, was ich brauche.“ Vor diesem Hintergrund habe er an diesem Vormittag sehr wichtige Erfahrungen gemacht. Und wie trainiert man mit Gehörlosen? Mittels Gebärdendolmetscher und der uralten Methode „Vormachen“ sei das überhaupt kein Problem gewesen. „Das war ok. Die Jungs und Mädels waren super motiviert und haben wirklich auch probiert, die schwierigen Sachen nachzumachen.“ Er habe gezeigt, wie sein eigenes Training laufe und gleichzeitig auch den Spaßfaktor nicht vernachlässigt. „Spaß muss dabei sein“, sagt der Ausnahmesportler mit einem breiten Schmunzeln. Im Leistungssport sei der Spaß allerdings nicht immer dabei. „Da gehören auch Arbeitstage wie im Büro dazu“, weiß der Athlet. Und das bedeute dann: Einfach durchziehen. Für den Behindertensport sieht er einen klaren Weg: „Dass Menschen mit und ohne Behinderung zusammen Sport machen, das muss zur Normalität werden.“ Bei den Special Olympics gäbe es ja bereits gemischte Volley-Ball-Mannschaften und das sei auch in anderen Sportarten durchaus denkbar. Perfekt wäre es, wenn man da ehemalige Topsportler einbinden könne. Wer mitten in der Karriere stehe, der habe aber wohl kaum Zeit. „Das wäre sicher auch für Sponsoren interessant“, ist sich Unger sicher. Dass er mal wieder kommt, das ist für ihn klar. „Wir werden den Kontakt aufrecht erhalten und zwei der Jungs von hier sind ja in Bad Saulgau beim Stadtlauf dabei. Da sehen wir uns wieder.“

Speziell zum Stadtlauf hat die Johannes-Ziegler-Stiftung übrigens Trikots für die Sportler aus der Haslachmühle gestiftet. Schüler aus der Heimsonderschule Haslachmühle unterstützen mit ihrer Teilnahme am Halloween-Lauf den Bau der Kapelle bei der Suchthilfeklinik in Bad Saulgau.

Für einen Sportprofi nicht ungewöhnlich sind Interviews. In der Haslachmühle waren es junge Redakteure der mehrfach ausgezeichneten Mühlezeitung, die dem Sportler Fragen stellten. Und da ging es nicht nur um Sport, sondern auch um Privates. Isst er gerne Nudeln? „Na klar“, lacht der Sportler, macht aber deutlich: „Auf die Soße kommt es an.“ Dass sein Lieblingsgericht aber Pfannkuchen mit Spinat ist, das lässt so manchen Interviewer das Gesicht leicht verziehen. Dass er nicht raucht, („das wäre für einen Sportler kontraproduktiv“), das findet man prima. Und wie war das mit der Schule? „Da rede ich nicht so gerne darüber“, lächelt Daniel. Klar ist aber: Sein Abitur hat er geschafft. Wenn man einen Profisportler gegenübersitzen hat, dann will man natürlich auch wissen, wie oft er trainiert. „30 bis 35 Stunden pro Woche und jeden Tag“, sagt der Weltmeister. Die Schüler wundert das schon etwas, aber Unger nennt den Grund: „Sport ist mein Beruf und da muss man genau so viel einsetzen wie bei einer anderen beruflichen Tätigkeit.“ Wird er bei der Olympiade in London im kommenden Jahr dabei sein? Unger gibt sich zuversichtlich: „Hoffentlich!“ Es ist noch ein Platz für einen deutschen Teilnehmer frei- aber sechs Jungs streiten sich darum.“ Daniel Unger hat dabei einen großen Vorteil. Die Jungs und Mädels von der Haslachmühle drücken ihm alle ganz fest die Daumen, dass er es schafft und vielleicht sogar eine Medaille mit nach Oberschwaben bringt. Wer kann schon auf eine solche Unterstützung zählen?

apm

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