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19.05.2009

Bundeskunstpreis für Wilhelmsdorfer Künstler

Malwerkstatt der Zieglerschen Behindertenhilfe mischt bundesweit ganz vorne mit


In der Mitte das Kunstwerk "Frau F.": Efklia Grigoriadou (links) und Helga Knoblauch, zwei von fünf Preisträgern der Wilhelmsdorfer Malwerkstatt für Menschen mit Behinderung. Foto: Katharina Stohr

Radolfzell. Wilhelmsdorfer Künstler haben bei der 17. Bundeskunst-Preis-Verleihung für Menschen mit Behinderung um die Wette gestrahlt. Fünf Preisträger der Malwerkstatt der Behindertenhilfe der Zieglerschen behaupteten sich unter den 276 eingereichten Kunstwerken und erhielten am 8. Mai 2009 jeweils eine von 20 Auszeichnungen. Der Bundeskunst-Preis für Menschen mit Behinderung wird von der Stadt Radolfzell seit 1978 alle zwei Jahre bundesweit ausgeschrieben. Menschen mit körperlicher, geistiger oder psychischer Behinderung können daran teilnehmen.

Helga Knoblauch aus Wilhelmsdorf steht vor einem prämierten Bild im Ausstellungsraum der Villa Bosch in Radolfzell. Mit ihrer rechten Hand zeigt sie auf die rötlichen Strähnen in ihrem Haar und gebärdet dazu. Ihre Betreuerin übersetzt: „Ich habe Farbe in die Haare bekommen.“ Farbe im Haar - Farbe in Radolfzell: Rund 300 Menschen mit und ohne Behinderung sitzen kurze Zeit später im Milchwerk Radolfzell und warten gespannt auf die Preisverleihung. Dem ersten Preis werden 19 gleich bewertete Preise folgen.

Die eingereichten Werke sind so vielfältig wie die Nuancen einer gemischten Farbpalette: Kühe auf saftig-grünem Gras in Ölpastell springen dem Besucher genauso ins Auge wie Mischtechniken, Aquarelle, Tusche- und Kreidezeichnungen oder Skulpturen -  die bunte „Frau F." etwa, die ihre Hände in die Hüften stemmt und dem Betrachter auffordernd entgegenblickt.

„Wir alle wissen, dass uns eine psychische, geistige oder körperliche Behinderung jederzeit treffen kann“, sagt Kulturreferent Karl Batz in seiner Laudatio. Um kein falsches Mitleid aufkommen zu lassen, habe die fünfköpfige Jury über keine biografischen Kenntnisse der einzelnen Künstler verfügt: „Die Auswahl lag auf der Kunst und nicht auf Schicksal des Einzelnen.“ Schirmherrin Dr. Angela Merkel führt in ihrem schriftlichen Grußwort aus, dass dieser Ansatz Künstler mit Behinderungen ermutige, „eigene künstlerische Ausdrucksformen zu entwickeln.“

Farbiger Ausdruck ist für die Malwerkstatt der Zieglerschen Behindertenhilfe kein Fremdwort. Die fünf Preisträger malen seit Jahren, sind ausstellungserfahren und schön öfters nach Radolfzell gefahren, um Urkunde und Scheck auf der Bühne entgegenzunehmen. Drei der Glücklichen allerdings befinden sich derzeit in Urlaub – lachend und eifrig springt eine Kollegin stellvertretend für sie auf die Bühne.

Die Kunstwerke der Preisträger und ausgewählte Arbeiten werden bis zum 14. Juni 2009 in der Villa Bosch in Radolfzell ausgestellt - alle weiteren Arbeiten in der DAV-Kletterhalle. „Ich kann Ihnen versprechen, die Entdeckungsreise lohnt sich“, sagt Karl Batz.

Infos zu den Ausstellungen: www.radolfzell.de

Katharina Stohr

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