08.10.2010 - Wilhelmsdorf
VfB-Volleyballer aus Friedrichshafen trainieren mit Unified-Team Wilhelmsdorf
Spaß und Freude beim gemeinsamen Training von Menschen mit und ohne Behinderung

Beim gemeinsamen Training waren Spaß und Freude garantiert. Foto: apm
„Unified“, das bedeutet, dass Sportler mit und ohne Behinderung in einem Team spielen. In Wilhelmsdorf setzt sich das Unified-Team aus Athleten der Haslachmühle und aus Partnern des Gymnasiums zusammen – eine Mannschaft, die sich nicht nur durch Teamgeist, sondern auch durch einen ganz besonderen Umgangston auszeichnet. „Mir macht das gemeinsame Volleyballspielen unheimlich Spaß und es geht mir auch um den Umgang mit Menschen, die eine Behinderung haben“, sagt Gymnasiast Tobias Stäbler, der seit acht Jahren einmal pro Woche zum Training kommt. Die enorme Offenheit, die echten Emotionen, all das hat für ihn einen hohen Stellenwert. Sein Partner ist Christoph Grüninger, ein 19-jähriger Athlet aus der Haslachmühle, einer Einrichtung der Zieglerschen Behindertenhilfe für Menschen mit Hör-Sprach- und zusätzlicher geistiger Behinderung. Christoph hat sich schon seit Wochen auf das Training mit den hoch gewachsenen Jungs vom VfB Friedrichshafen gefreut. Für ihn ist „alles okay“ und dass er so lange wie möglich im Unified-Team blieben will, das ist für den schlaksigen Burschen keine Frage. „Ich muss jetzt aber weitermachen“, sagt er und reiht sich wieder ins Aufwärmtraining ein, das vom jüngsten VfB-Spieler Christian Fromm geleitet wird. Der ist knapp ein Jahr älter als Christoph, der mittlerweile wie seine Teamkollegen wieder aufmerksam den Anweisungen des Profis folgt.
Christian Fromm ist noch neu beim VfB und erstmals mit dabei bei einem solchen besonderen Training. Bereits in Berlin hat er mit Menschen mit Behinderung Sitzvolleyball gespielt („Das war ganz anstrengend“). Das Geschehen in der Riedhalle findet er „sehr interessant“ und er ist sich ganz sicher: „Auch ich habe hier meinen Spaß.“ Und das gilt auch, wenn man gemeinsam das Volleyballnetz abbaut und der Profi einen Tipp gibt, wie man das etwas einfacher machen kann.
Begrüßt wurden das Unified-Team und die Häfler Profis von Sven Lange, dem Fachlichen Geschäftsführer der Behindertenhilfe der Zieglerschen. „Ich finde es großartig, dass sie mit ihren großen Jungs gekommen sind, “ erklärte er Trainer Ulf Quell, der mittlerweile acht Jahre Coach am Bodensee ist. Quell hat seine eigene Einstellung, die deutlich macht, dass es hier nicht um eine Show-Veranstaltung oder ein Alibi-Training geht. „Man muss auch als Sportler soziales Engagement zeigen und sich um die Menschen mit Behinderung in unserer Gesellschaft kümmern“, sagt er. Und dazu gehöre auch, dass man Spaß und Freude miteinander teilt. Dieser Anspruch wird beim Training in Wilhelmsdorf voll erfüllt. Für die Spieler vom VfB sei das aber auch eine gute Abwechslung und sie seien begeistert. Zudem sei Volleyball eine Sportart, die für Menschen mit Behinderung sehr gut geeignet sei. Und: „Die Regeln stehen heute nicht so sehr im Vordergrund. Der Spaßfaktor ist wichtig.“
Das sieht auch Michael Stäbler so. Er ist seit vielen Jahren nicht nur Chef der Behindertensportabteiluung der TSG Wilhelmsdorf und Lehrer an der Haslachmühle, er ist auch der Coach des Unified-Teams und erinnert sich gerne an die Anfänge der Kooperation mit dem VfB vor mittlerweile neun Jahren. „Die waren sehr offen und was sich da mittlerweile entwickelt hat, das ist enorm.“ Deutlich sichtbar und spürbar wird dies beim gemeinsamen Training am freundschaftlichen und kameradschaftlichen Umgang von Menschen mit und ohne Behinderung.
Das Unified-Team aus Wilhelmsdorf fährt oft zu Spielen der Freunde vom Bodensee. Einmal pro Saison sind Jungs oder Mädchen vom Unified-Team sogar als Ballroller oder Wischer im Einsatz, wenn die Häfler um Punkte kämpfen. Für Stäbler ist klar: „Sport ist die beste Möglichkeit zur Inklusion.“ Wer beim Training in Wilhelmsdorf zuschaut, der kann da bestimmt nicht widersprechen.
apm

Behindertenhilfe