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04.08.2010 - Wilhelmsdorf

Wilhelmsdorf Live 2010


Die Wilhelmsdorfer integrierten die zu Ende gehende Fußballweltmeisterschaft problemlos in ihr großes Fest.
Foto: Gemeinde Wilhelmsdorf

Es gibt keinen Festumzug mit historischen Wagen bei Wilhelmsdorf live und es gibt keinen Heimatabend, kein Feuerwerk und keinen Fassanstich. Wilhelmsdorf live, gerade mal neun Jahre alt und deshalb ganz unbeschwert von ehrwürdigen Traditionen, ist eben konsequent und von Anfang an ein bisschen anders als andere oberschwäbische Dorffeste. Trotzdem geht das Konzept auf, wie das aktuelle Festwochenende deutlich gezeigt hat. Vom Wetter war Wilhelmsdorf live genauso begünstigt wie Weißenau oder Weingarten. Alle Outdoor-Angebote, und das sind bei Wilhelmsdorf live 90 Prozent aller Angebote, profitierten natürlich von dem tollen Wetter. Beim Flohmarkt konnte man sich einen Sonnenbrand beim Stöbern holen. Dieser Flohmarkt gilt übrigens noch als „echt", viele Anbieter sind zum ersten Mal dabei und verkaufen direkt aus der Kiste. Die in der Region bekannte „Kunstmeile" fand auch in diesem Jahr wieder ihre Fans. Die auf dem Saalplatz bewirtenden Vereine hatten alle Hände voll zu tun, um die durstigen Kehlen zu bedienen. Schon am Samstagabend zur Eröffnung des Fests konnte man die Bandbreite erleben. Während die einen eine Riesen-WM-Party mit Public Viewing auf dem Saalplatz feierten, ließen sich andere nebenan vom Kulturverein Wlhelmsdorf unterhalten.

Eine Festwiese gibt es bei Wilhelmsdorf live wie bei anderen Dorf- und Stadtfesten. Aber auch sie ist natürlich konsequent ein bisschen anders. Kein lärmender Rummel ist dort zu finden, keine Achterbahn und kein Autoscooter. Das haben ja die anderen alle schon. Stattdessen eine konsequente Ausrichtung der Angebote auf Familien, gerne auch mit kleinem Geldbeutel. Viel ehrenamtliches Engagement steckt in den Spiel-, Kletter- und Malangeboten., ergänzt um Menschenkicker, Nostalgiekarusell, Familien-Mitmachkonzert, Schülerbands und Bungee-Trampolin. Beim erstmals veranstalteten „Dachlatten-Polo" siegte übrigens das Team der Gemeinde Wilhelmsdorf. Die Mannschaft der Zieglerschen musste sich mit dem zweiten Platz zufrieden geben.

In einer „Schulgemeinde" wie Wilhelmsdorf dürfen beim großen gemeinsamen Fest natürlich die Highlights aus den Schulen nicht fehlen. Nahezu alle Altersstufen und Schularten steuerten hauptsächlich Künstlerisches bei: Konzert, Musical, Krimitheater und vieles mehr. Auch ein bisschen außerhalb des eigentlichen Festgeländes haben sich über die Jahre feste Angebote etabliert, so zum Beispiel das Offene Atelier der Malwerkstatt der Behindertenhilfe.

Veranstaltet wird Wilhelmsdorf live unter dem Motto „Wir feiern gemeinsam". Dass das nicht nur so ein Spruch ist, zeigt die Veranstaltergemeinschaft: Fischereiverein und Gymnasium, Sportverein und Karate-Schule, Gemeinde und Brüdergemeinde, die großen und kleinen sozialen Einrichtungen genauso wie die in der Kulturszene überregional bekannte „Scheune" und viele, viele andere: sie alle sind dabei und zeigen schon durch ihre vielen Angebote die erstaunliche Vielfalt dieser ländlichen Gemeinde und ihrer Teilorte.

Ungewöhnlich, aber schon eine beliebte Tradition, ist auch die Verlosung der vom örtlichen Handel zur Verfügung gestellten Preise. Wer ein Festabzeichen erworben hat, hat Gewinnchancen - aber nur, wenn er bei der Verlosung am Sonntag nachmittag auch live dabei ist. Nur der gewinnt, der sich seinen Gewinn auch persönlich von der Bühne abholt. Und dort oben lässt es sich der Bürgermeister persönlich nicht nehmen, jeden einzelnen Preis zu präsentieren und die Gewinner herzlich und mit Namen zu begrüßen. Man kennt sich in einer überschaubaren Welt wie Wilhelmsdorf.

Auf die Minute genau hatte der Bürgermeister den Hauptpreis überreicht, so dass man die Dankfeier mit der bekannten Sängerin Judy Bailey besuchen konnte. Und weil alles so gut geklappt hatte, ließen sich die Wilhelmsdorfer vom heimischen „Dangertone Orchestra" am Sonntag abend so richtig in Stimmung bringen und unterbrachen das Open-Air-Public Viewing zum Endspiel nicht eine Sekunde, sondern kuckten ihr Finale fertig - bevor sie dann bei dunkler Nacht und strömendem Regen mit dem Aufräumen begannen.

Christof Schrade

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