01.12.2011
Studienfahrt zur Gedenkstätte Grafeneck

Die Gedenkstätte Grafeneck - Foto: Wilfried Arnold
Thomas Stöckle, Leiter der Gedenkstätte Grafeneck, nahm sich für die Wilhelmsdorfer persönlich die Zeit, um sie über die Besonderheiten dieses Erinnerungsortes aufzuklären. Er erinnerte nochmals daran, dass die Menschen mit Behinderung aus Wilhelmsdorf nicht in Grafeneck selbst, sondern im hessischen Hadamar umgebracht wurden, dass aber in Grafeneck ihrer genau so gedacht wird wie den vielen anderen Menschen aus Psychiatrien und Behinderteneinrichtungen in Südwürttemberg.
Stöckle war es, der den Reigen der Erinnerungsveranstaltungen am Totensonntag 2010 mit einem bewegenden Vortrag im Wilhelmsdorfer Bürgersaal eröffnet hatte. Schon damals war auffällig, wie groß das Interesse der Wilhelmsdorfer war, endlich die volle Klarheit über das dunkelste Kapitel ihrer noch jungen Ortsgeschichte zu bekommen. Schon damals hatte Stöckle darauf hingewiesen, dass nicht wenige Menschen mit Behinderung auch der sogenannten „wilden Euthanasie" zum Opfer gefallen waren, unter anderem in der Psychiatrie in Zwiefalten. Nachdem die Nazis aufgrund des wachsenden Widerstands in der Bevölkerung ihre systematisch geplanten Massenmorde an Menschen mit Behinderung und psychischen Krankheiten aufgegeben hatten, ging das Morden dennoch weiter - durch gezielte Unterernährung, durch katastrophale hygienische Verhältnisse in überfüllten Psychiatrien, durch Todesspritzen...
Inga Bing-von Häfen war es, die am Jahrestag der Deportation der 19 Wilhelmsdorfer, am 24. März, wiederum im Bürgersaal von Wilhelmsdorf ihr Buch vorstellte „Die Verantwortung ist schwer". Die Historikerin und Kennerin der württembergischen Diakonie-Geschichte hatte erstmals wissenschaftlich gründlich die Euthanasie-Morde an „Pfleglingen der Wilhelmsdorfer Anstalten aufgearbeitet. Evangelische Brüdergemeinde, politische Gemeinde und die diakonischen Einrichtungen am Ort stellten sich an diesem Tag gemeinsam der Ortsgeschichte.
Die Informationsfahrt nun nach Grafeneck und Zwiefalten setzte einen Schlusspunkt unter das Erinnerungsjahr. Auch in Zwiefalten, im dortigen Psychiatriemuseum, erfuhren die Wilhelmsdorfer von einer kundigen Führerin viele Details über die Euthanasie, aber auch über die Geschichte der Psychiatrie insgesamt.
Text: Christof Schrade - Fotos: Wilfried Arnold




