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25.05.2011

„Ätsch, ich lebe noch"

Theater und Kunst zum Thema „Alter(n)" im Seniorenzentrum Wilhelmsdorf


Individualität bleibt im Alter erhalten, mit allem, was war und allem, was noch kommt: „Sie war immer schon ne einfache Frau und jetzt solls an der Demenz liegen, dass sie keine hochliterarischen Bücher liest."

Alle Facetten des Alterns waren am vergangenen Freitag auf der Vernissage im Seniorenzentrum Wilhelmsdorf präsent. Die Ausstellung zeigte verschiedenste Bilder vom Altern, die Theaterstücke griffen die verschiedensten Themen des Alterns auf und die rund 70 Gäste der Vernissage setzten sich aus ganz verschiedenen Altersgruppen zusammen. „Es war eine richtig gelungene Veranstaltung", schwärmt Steffen Bucher, Regionalleiter der Zieglerschen Altenhilfe. Insbesondere die Bewohner hätten so viel Kultur auf einmal in ihren Räumlichkeiten sichtlich genossen. „Dein Theater" aus Stuttgart beleuchtete pointiert die positiven Seiten und negativen Seiten des Alterns. Klar wurde, dass es vor allem auf den Mensch selbst ankommt. Erhält sich eine Person ihre Neugierde und profitiert von den Erzählungen von Mitarbeitern, die nicht in Deutschland geboren wurden oder jammert sie darüber, „von Ausländern" gepflegt zu werden. Dazu Steffen Bucher: „Seine Individualität nimmt man natürlich mit ins Alter. Die Zieglerschen setzen sich damit auseinander. In Zusammenarbeit mit der Gotthilf-Vöhringer-Schule versuchen wir, die unterschiedlichen Sichtweisen aufs Alter zu berücksichtigen. Wir versuchen außerdem, unsere Betriebsabläufe hinter die Individualität zu stellen. Immer wieder die Person in den Vordergrund zu rücken, das ist uns wichtig."

Offen und ungeschminkt

Die Gäste lachten viel, aber die offene und ungeschminkte Darstellung von Realitäten durch die Schauspielerinnen rief auch Diskussionen hervor. „Manche Gäste waren betroffen, erkannten sich selbst wieder oder bekamen Verhaltensweisen ihrer eigenen Eltern vorgeführt. Für unsere Mitarbeiter war es interessant, aus dem Berufsalltag herauszukommen und dieser Art von Darstellung zu folgen", erzählt Silvia Parusel, Mitorganisatorin der Veranstaltung und Hausleiterin des Seniorenzentrums Wilhelmsdorf, die durch den Abend führte.

Kreativ und individuell

Kreativität und Individualität spiegeln auch die Werke der 158 Künstlerinnen und Künstler, die an der MailArt Aktion teilgenommen hatten. Die Aktion war vom Fachbereich Altenpflege der Gotthilf-Vöhringer-Schule (GVS) in Friedrichshafen, die zum Diakonischen Institut gehört und der „Internationalen Künstlerinitiative SPALTENSTEIN-PROJEKT" initiiert worden. Unter dem Titel: K(ALT)ER LIEBE(R) VERLETZT(ER) MENSCH setzten sich die Teilnehmer mit allen Facetten des Alter(n)s auseinander. Matthias Brugger von der GVS führte durch die Ausstellung, die noch bis 03.06.2011 im Seniorenzentrum Wilhelmsdorf angeschaut werden kann.

Nicola Philipp

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