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03.07.2009

Ein Weihnachtsgeschenk mitten im Sommer

Das Seniorenzentrum Aitrach ist eröffnet


Architekt Herbert Gross übergibt den symbolischen Schlüssel für das Seniorenzentrum Aitrach an Hausleiterin Silvia Fakler

„Ein Weihnachtsgeschenk mitten im Sommer“. So nannte Pfarrer Peter Huhn das Seniorenzentrum Aitrach, das am Dienstag, 30.06.2009 in der kleinen Gemeinde in Oberschwaben feierlich eröffnet wurde. Er nahm die Gäste mit geschlossenen Augen gedanklich in die Kirche von Aichstetten mit, vor das Bild der betagten Hannah und des betagten Simeon, die Jesus Christus erblicken. Jesus Christus, der allen Kraft, Liebe, Geduld und Nähe gibt. Der Freude schenkt und zuhört. Der alle Menschen erlöst und mit seiner Liebe und seinem Segen erfüllt. Jesus Christus, der alle Menschen so nimmt, wie sie sind, mit all ihren Stärken, aber vor allem auch mit ihren Schwächen. „Es gibt keine vollkommene Diakonie“ so Huhn. Dafür steht Diakonie aber für Geduld, Warmherzigkeit, helfende Hände, Zuhören.

Professor Dr. Harald Rau, Vorstandsvorsitzender des Bauherrn und Betriebsträgers Zieglersche Anstalten e.V., bekräftigte die Worte von Pfarrer Huhn. „Als Diakonie wünschen wir uns Begegnung“. So wie heute sollen sich auch in Zukunft Kommune, Land, Mitarbeiter, Ehrenamtliche, Vereine und interessierte Bürgerinnen und Bürger im Seniorenzentrum treffen und begegnen. „Begegnung ist etwas, das uns allen gut tut“, so Rau.

Auch Paul Locherer, Mitglied des Landtags, betonte, dass ein Miteinander in der Gemeinde wichtig sei, gerade auch zwischen den Generationen. „Sie werden als Gemeinde viel gewinnen, wenn Sie das Seniorenzentrum nutzen.“ Er freue sich besonders darüber, dass es gelungen sei, entgegen dem Trend zur Metropolregion, Förderungen des Landes in den ländlichen Raum zu holen.

Sozialdezernentin Diana E. Raedler vom Landkreis Ravensburg blickte in ihrem Grußwort auf die lange Entstehungsgeschichte des Seniorenzentrums Aitrach zurück. Mit der Vorbereitung war schon um Juni 2001 begonnen worden. Mitte 2002 hatte der Beirat für Kreispflegeplanung dem Projekt in Aitrach Vorrang eingeräumt, danach dauerte es noch weitere fünf Jahre, bis schließlich mit den Bauarbeiten begonnen werden konnte. „Dafür ist der imposante und schön gestaltete Neubau schon nach eineinhalb Jahren fertig geworden“, lobte Raedler. Im Landkreis Ravensburg sind in den letzten Jahren 2400 stationäre Pflegeplätze geschaffen worden. Laut Statistiken werden bis 2015 2100 Plätze nötig sein.

Bürgermeister Kellenberger drückte seine Freude darüber aus, dass das Seniorenzentrum mit den Zieglerschen einen Partner hat, dem die Menschen wichtig sind, wo der Mensch im Mittelpunkt steht. Im Mittelpunkt der Gemeinde, „auf dem Sahnestück der Gemeinde“, steht das Seniorenzentrum Aitrach. Der Dorfplatz vor dem Seniorenzentrum, mit Brunnen, Sitzmöglichkeiten und Pergola soll bald zum Treffpunkt der Gemeinde werden. Kellenberger dankte allen Spendern, die zusammen drei Viertel des Dorfbrunnens bezahlt haben. Den Zieglerschen wünschte er ein stets gut ausgelastetes Haus, Hausleiterin Silvia Fakler überreichte er einen Gutschein für historische Bilder aus Aitrach.

Eva-Maria Armbruster, Fachliche Geschäftsführerin der Altenhilfe der Zieglerschen, stellte eine hohe Lebensqualität gerade auch bei schwerer Pflegebedürftigkeit als oberstes Ziel im Seniorenzentrum heraus. Aktuelle Studien der Universität Tübingen hätten ergeben, dass ältere Menschen von hoher Lebensqualität sprechen, wenn gute soziale Rahmenbedingungen bestehen und gute Kommunikation stattfindet. Im Seniorenzentrum Aitrach werden viele verschiedene Pflegebedarfe gedeckt sein. Ein beschützender Bereich mit Garten für demenziell erkrankte Menschen, stationäre Dauerpflege, aber auch Angebote der Kurzzeit- und Tagespflege. Armbruster dankte der Heimaufsicht, dass sie diese flexible Pflege ermöglicht. Für eine gute Umsetzung sei aber das Miteinander zwischen professionellen Pflegern und Ehrenamtlichen notwendig. Um das Miteinander zu stärken, sei unter anderem das interne Fort- und Weiterbildungsprogramm der Altenhilfe wichtig, das auch für Ehrenamtliche offen sei, denn „gerade für Ehrenamtliche ist es wichtig, sich Basiswissen zum Thema Demenz aneignen zu können. Nur so kann auch die Scheu im Umgang mit demenziell Erkrankten überwunden werden. Armbruster ist sich sicher, dass es im Seniorenzentrum weiterhin eine gute Zusammenarbeit zwischen Gemeinde, Mitarbeitern und Bewohnern geben werde. Sie ist überzeugt davon, dass „das Café in Aitrach der Renner wird. “ Bereits jetzt gibt es ein ehrenamtliches Cafetaria-Team, so dass das Café ab sofort die Türen zum Vorplatz öffnet, um zunächst zweimal die Woche alle Besucher mit Kaffee und Kuchen versorgen zu können.

Nach der Übergabe des symbolischen Schlüssels durch Architekt Herbert Gross und der Einweihung des Dorfbrunnens im strahlenden Sonnenschein, klang die Eröffnungsfeier mit einem Abendessen aus. Bei kalten Getränken, Zwiebelrostbraten und Spargelstrudel der Metzgerei Aumann wurde noch bis in den Abend hinein im großen Essbereich des Seniorenzentrums gefeiert.

Nicola Philipp

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