Titelbild

20.05.2011

„Ich werde ja wohl am besten wissen, was ich vergesse."

Das Theatergastspiel „Ich bin das noch" zum Thema Demenz von und mit Petra Afonin


Dieser Satz wird den meisten der etwa 120 anwesenden Theaterbesuchern im Gedächtnis geblieben sein, die am letzten Freitagabend in der Aula des Quenstedt-Gymnasiums das eindrucksvolleTheatergastspiel „Ich bin das noch" zum Thema Demenz von und mit Petra Afonin sahen. Zunächst fanden sich die Zuschauer vor einer kargen Bühne wieder, ein kleiner Tisch mit Kaffeetasse und einem verpackten Geschenk. Daneben auf dem Stuhl Petra Afonin als Gundel, schüchtern und mit unordentlichem Haar. wartet auf ihren Horst, den sie vermutlich schon längst überlebt hat. Am Klavier begleitete Susanne Hinkelbein, von der auch die Musik stammt, Afonins verstörend echten Monolog mit Fragmenten von Kinderliedern oder düsteren Dreiklängen, die die Stimmung widerspiegeln. „Nichts vergessen, nichts verlernt" beteuert Gundel immer wieder - geistige Verwirrungen wechseln sich ab mit Alltagserinnerungen an längst vergangene Tage. Im zweiten Teil weicht die mit Amusement gepaarte Beklemmung des Publikums - Petra Afonin schlüpft in die Rolle pflegender Angehöriger und erzählt von deren Erfahrungen, die sie zum Teil in kurze Chansonstücke verpackt. Zum Schluss die Aufforderung „nicht nur zu fragen was nicht geht, sondern wichtiger ist zu schauen was heute geht".

Treffende Darstellung

Das Publikum, das der Einladung der Diakonie-/Sozialstation Mössingen-Bodelhausen-Ofterdingen zu diesem Theaterabend folgte, setzte sich zusammen aus betroffenen Angehörigen, beruflich mit dem Thema konfrontierten Personen sowie zahlreicher ehrenamtlicher Mitarbeiter verschiedener Bereiche der Diakoniestation wie Hospiz, Demenzgruppen, Fahrdienste und Kleiderkammer. Für sie war der Abend auch als Dankeschön für jahrelange ehrenamtliche Tätigkeit gedacht. Alle waren sich einig, dass man sich als pflegender Angehöriger oder im Dienste dementer Menschen Tätiger in der Darstellung Afonins wiedergefunden hat.

Kampf und Zwiespalt

Durch intensive Recherchen in Seniorenwohnstätten, Gerontopsychiatrien und bei pflegenden Angehörigen und Betroffenen war es ihr möglich, den inneren Kampf der Hauptfigur Gundel gegen die Demenz bedrückend real darzustellen und den Zwiespalt der Angehörigen zwischen Sorge um den Kranken und die Beschneidung der eigenen persönlichen Freiheit deutlich zu machen.

Das Angebot der Mössinger

Die Demenzgruppen der Diakonie-/Sozialstation Mössingen-Bodelshausen-Ofterdingen finden jeweils montagnachmittags (in Ofterdingen) und dienstagvormittags (in Mössingen) statt. Die speziell geschulten Mitarbeiter möchten ein wenig des längst vergessenen Alltags für Kranke zurückholen und durch Singen, Basteln und Bewegung die noch vorhandenen Kompetenzen fördern. Außerdem bieten diese Angebote eine Entlastung für die Angehörigen, um ein wenig Zeit für sich zu haben. Bei Interesse melden Sie sich bitte bei:

Diakonie-/Sozialstation Mössingen-Bodelshausen-Ofterdingen gGmbH, Löwensteinplatz 1, 72116 Mössingen, Tel. 07473/9515-15 (Fahrdienst ist vorhanden).

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