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06.10.2010

Betreuungsassistenten - ein noch junges Tätigkeitsfeld in der Altenpflege


Betreuungsassistentin Emina König unterstützt die Bewohnerin Charlotte Bader beim Stricken

Seit Juli 2009 sind in der Altenpflege sogenannte Betreuungsassistenten im Einsatz. Sie kümmern sich zusätzlich zum Pflegepersonal um Bewohner, die durch Krankheitsbilder wie Demenz oder psychische Erkrankungen einen besonders hohen Bedarf an Betreuung haben. Die Betreuungsassistenten begleiten diese Bewohner tagsüber. Sie geben Anregungen in der Gruppe. Sie nehmen sich Zeit für individuelle Bedürfnisse. Sie lesen vor. Sie gehen mit den Senioren spazieren. „Ziel der zusätzlichen Unterstützung ist, dass diese Bewohner leichter am Leben der Gemeinschaft teilnehmen können. Außerdem fördert die verstärkte Aktivität die Beweglichkeit und sorgt auch für erhöhte geistige Anregungen. Und das alles steigert die Lebensqualität", so Steffen Bucher, Regionalleiter bei der Altenhilfe der Zieglerschen.

Die Interessen der Senioren stehen im Vordergrund

Im Seniorenzentrum Rot an der Rot hat Emina König als Betreuungsassistentin angefangen. „Ich bin jeden Vormittag da. Nach einem Wochenplan betreue ich verschiedene Bewohner. Und ich widme mich auch immer wieder einem bettlägerigen Herrn und biete ihm Abwechslung durch Gespräche und Beschäftigung. Dabei stehen seine Interessen im Vordergrund." In der Frühstücksgruppe motiviert Emina Köndig die Bewohner dazu, dass sie den Tisch decken, abräumen, selbständig Brote schmieren und das Essen genießen. „Denn manche vergessen einfach immer wieder, dass leckres Essen vor ihnen steht," erklärt sie. Hausleiter Andreas Eger ist sehr froh über die neue Mitarbeiterin: „Die Zusammenarbeit zwischen Frau König und dem Pflegeteam klappt super. Der Stress fürs Team, aber auch für alle Bewohner ist weniger geworden, auch weil der Geräuschpegel innerhalb des Pflegebereichs gesunken ist und die einzelnen Bewohner mehr Aufmerksamkeit bekommen. Das Konzept der Betreuungsassistenten ist wirklich eine gute Sache."

Das Pflegeweiterentwicklungsgesetz

In Baden-Württemberg hatte es lange gedauert, bis die ersten Betreuungsassistenten anfangen konnten. Bereits am 01.07.2008 wurde dem Sozialgesetzbuch XI um das Pflegeweiterentwicklungsgesetz hinzugefügt. Im Paragraph 87b, SGB XI ist nun die Verbesserung der Betreuung für Bewohnerinnen und Bewohner mit erheblich eingeschränkten Alltagskompetenzen verankert. Aber die Verhandlungspartner auf Landesebene konnten sich lange nicht auf die finanziellen und formalen Voraussetzungen für die Umsetzung einigen.

Kosten sind durch die Pflegekassen gedeckt

Seit einiger Zeit können die Pflegeheime den Einsatz der Betreuungsassistenten bei den Pflegekassen beantragen. Die Pflegekassen übernehmen die Gesamtkosten, so dass für die Pflegebedürftigen und deren Angehörige durch das zusätzliche Angebot keine Kosten entstehen. Als Betreuungsassistent können Personen arbeiten, die sich in 160 Stunden Theorie und einem zweiwöchigem Praktikum ausbilden lassen und bereit sind, sich regelmäßig fortzubilden.

Nicola Philipp und Andreas Eger

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