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18.08.2010

Spatenstich für Öko-Heizzentrale

TWS, Die Zieglerschen und die Gemeinde Wilhelmsdorf setzen alternatives Wärmekonzept um: Strom und Wärme aus Holz und Biogas


Freundliche Gesichter beim Spatenstich Foto: Christof Schrade

Wilhelmsdorf bekommt eine Bio-Energieversorgung. Am 17. August fand der Spatenstich dafür statt. Am Ortsrand Richtung Pfrungen entsteht ein funktionales Gebäude, in dem künftig zwei Holzhackschnitzel-Kessel und ein Blockheizkraftwerk (BHKW), das mit Biogas befeuert wird, untergebracht sein werden. Die darin erzeugte Wärme wird über Nahwärmeleitungen insgesamt 42 Gebäude in Wilhelmsdorf beheizen. Der erzeugte Strom wird ins Netz eingespeist. Die TWS Netz GmbH (TWS) investiert rund 3,2 Millionen Euro in das Projekt. Sie baut es in Zusammenarbeit mit dem Sozialunternehmen „Die Zieglerschen" und der Gemeinde Wilhelmsdorf. Die Anlage mit einer installierten Gesamtleistung von 3,6 Megawatt soll Anfang Dezember in Betrieb gehen. Ein BHKW nutzt das Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung. Das heißt, es produziert sowohl Strom als auch Wärme. Die Abwärme aus der Stromproduktion wird dabei zum Heizen und zur Warmwasserbereitung verwendet. Die Anlage in Wilhelmsdorf versorgt zunächst Gebäude, die von den Zieglerschen und der Gemeinde genutzt werden. „Durch den Einsatz von Naturstoffen und dem hohen Wirkungsgrad des BHKW werden im Jahr voraussichtlich rund 1.500 Tonnen weniger Kohlendioxid ausgestoßen als bisher. Das entspricht einem Rückgang an Kohlendioxid um rund 84 Prozent", informierte Helmut Hertle, Geschäftsführer der TWS. Prof. Dr. Harald Rau, Vorstandsvorsitzender der Zieglerschen, ergänzte: „Wir setzen seit Jahren auf Energieeffizienz und Ökologie. Dass dieses Projekt in Wilhelmsdorf nun Formen annimmt, freut uns sehr. Rau wies darauf hin, dass dieses Vorhaben auch direkt aus dem neuen Leitbild der Zieglerschen ableitbar sei, in dem es heißt: „Wir leisten unseren Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung". Bei diesem einen Beitrag bleibe es jedoch nicht. So bemühten sich die Zieglerschen seit Jahren um konsequente Verbesserung der Energieeffizienz. Für alle Hauptstandorte seien Energiekonzepte mit Förderung durch die Energieagentur des Landes erarbeitet worden. Die Zieglerschen, so Rau weiter, „setzen beim Energieeinkauf auf Ökologie". So werden die Zieglerschen im neuen Fachkrankenhaus Höchsten in Bad Saulgau „abgebadetes" Thermalwasser für die Gebäudeheizung nutzen. Das Fachkrankenhaus Ringgenhof, die Haslachmühle und das Seniorenzentrum Aichwald im Landkreis Esslingen werden mit Holz-Pellets geheizt, im Sprachheilzentrum Ravensburg arbeitet ein umweltfreundliches Blockheizkraftwerk. Außerdem beziehen die Zieglerschen für praktisch alle ihre Standorte reinen Wasserkraft-Strom von der Kirchlichen Energieagentur. Wichtig sei aus Sicht der Zieglerschen die „Verbindung von Ökonomie und Ökologie". Besonders freute sich Rau über den engen Schulterschluss zwischen der Gemeinde Wilhelmsdorf und den Zieglerschen schon vom ersten Planungsstadium an.
Zu sehen sein wird von der neuen Heizzentrale künftig nur das funktionelle und architektonisch hochwertige Gebäude. Unter der Erde wird ein 200 Kubikmeter großes Lager für die Holzhackschnitzel geschaffen. Dieser Vorrat reicht, um die beiden Heizkessel etwa eine Woche zu betreiben.
Regionalität steht bei dem Projekt im Fokus. „Wir haben mit der TWS und den beteiligten Landwirten bewusst Partner aus der Nähe mit Kompetenz ins Boot geholt", erklärte Bürgermeister Dr. Hans Gerstlauer. Die Holzhackschnitzel werden regional aus Danketsweiler beschafft. Das Biogas stammt aus der bestehenden Biogasanlage von Reinhold Duelli in Pfrungen und gelangt über eine zwei Kilometer lange Leitung in die Pfrunger Straße. „Biogas lässt sich nahezu verlustfrei transportieren. Mit der Minimierung der Wärmewege können wir den Wirkungsgrad der gesamten Anlage optimieren", erklärte Helmut Hertle das Vorgehen.
Die Zieglerschen hatten gemeinsam mit der Gemeinde Wilhelmsdorf für den Neuaufbau der Wärmeversorgung einen Ideenwettbewerb ausgeschrieben. Die TWS überzeugte dabei mit ihrem besonders wirtschaftlichen und ökologisch nachhaltigen Bio-Energieversorgungskonzept. „Wir freuen uns, dass wir die Ausschreibung gewonnen haben", sagt TWS-Geschäftsführer Dr. Andreas Thiel-Böhm. „Das zeigt einmal mehr, dass wir beim Thema Wärmeversorgung mit regenerativen Energien ein kompetenter und gefragter Partner sind."

Christof Schrade

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